Vom Sarastro zum Theatersatiriker
Er war der fruchtbarste und erfolgreichste Autor des Wiener Volkstheaters in der Biedermeierzeit (und danach) – und für seinen Bewunderer Karl Kraus zugleich der bedeutendste satirische Dramatiker des 19. Jahrhunderts. Doch Johann Nepomuk Nestroy, der 1801 in Wien geboren wurde und vor 150 Jahren in Graz starb, hatte zunächst ganz andere Ambitionen.
Nach dem Willen seines Vaters, der sich aus einfachen Verhältnissen zum Hofadvokaten hochgearbeitet hatte, begann er zunächst ein juristisches Studium, entschloss sich aber relativ bald, lieber einen seriösen Beruf zu ergreifen – und wurde Opernsänger. Genauer: Seriöser Bassist. Mit einundzwanzig Jahren debütierte er an der Wiener Hofoper als Sarastro und musste die Arie «In diesen heil’gen Hallen» wiederholen, wobei nicht mehr feststellbar ist, ob dieses Dacapo der Beliebtheit der Arie oder seiner gesanglichen Leistung zuzuschreiben war.
Die Kritik nämlich bemängelte bei dem jungen Sänger fehlende Tiefe – ein Vorwurf, dem sich Nestroy später auch als Autor noch oft ausgesetzt sah. Als er in Wien danach nur noch in kleinen Rollen eingesetzt wurde, wechselte er ans Deutsche Theater in Amsterdam, wo er Bösewichter-Rollen wie Kaspar im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Ekkehard Pluta
Das Wagner- und Verdi-Jahr 2013 kommt auf uns zu. Unaufhaltsam. Wenn man die Pläne der Opernhäuser studiert, die in diesen Tagen veröffentlicht werden, könnte daraus fast eine Drohung werden. Denn klar ist ja: Solche Jubiläen machen Programmplanern die Arbeit leicht – und dem Publikum das Leben schwer. Es wird eben das gespielt, was man immer und ohnehin spielt,...
Der Kreis schließt sich. Was bislang an der logistischen Herausforderung, an den Probenbedingungen und am Geld scheiterte, soll im August auf einem stillgelegten Industriegelände in Birmingham endlich Wirklichkeit werden: die erste komplette Aufführung des «Mittwoch» aus Karlheinz Stockhausens siebenteiligem «Licht»-Zyklus. Mit der Vorbereitung des gigantischen...
Herr Nelsons, warum dirigieren Sie am liebsten Repertoirevorstellungen?
Ich bin auch für neue Produktionen zu haben, aber sie sind oft zu zeitraubend. Außerdem kommt die Musik dabei vielfach nur an zweiter Stelle. Das sage ich, obwohl ich in Bayreuth sehr gute Erfahrungen mit Hans Neuenfels gemacht habe. Ein cleverer Mann, der Provokationen nicht aus Unkenntnis,...
