Foto: Jörg Schulze/Bayreuther Festspiele

Vom Mythos befreit

Notizen von der Premierenwoche auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth

23. Juli
Ankunft in Bayreuth bei strömendem Regen. Der Grüne Hügel aufgeräumt und autofrei. Hinter dem Festspielhaus Ü-Wagen dicht an dicht, die Eröffnungspremiere am übernächsten Tag wird live übertragen: Die zuletzt ein wenig matt gewordene Marke Bayreuth soll wieder an Glanz gewinnen. Zunächst, so scheint es, vor allem durch Qualität.

Damit sie hörbar wird, hat Katharina Wagner die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit aufgestockt: Auf Instagram, Twitter und Facebook, wo bisher über die Festspiele gesprochen wurde, sprechen diese nun selbst; wo früher Mythos war, herrscht jetzt PR-Storytelling. Damit die Rechnung aufgeht, braucht es nun nur noch eins: erstklassiges Musiktheater. Die Zeichen dafür, und das spürt man, wenn man über den Hügel läuft, stehen gut.

24. Juli
Seit Ende der Probenzeit ist die zentrale Probebühne im Festspielhaus umfunktioniert zur «Ring»-Lounge: ein VIP-Raum in dunklen Brauntönen. Sponsoren und die «Freunde von Bayreuth» können für einen dreistelligen Betrag pro Aufführungstag einen Chip erwerben und sich dort bewirten lassen. Endlich internationaler Festivalstandard, sagen die, die es sich leisten können. Andere, die in der Pause am Bratwurststand Schlange ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 17
von Florian Zinnecker

Weitere Beiträge
Im Herzen der Stadt

Sinn für Symbolik hat sie. Nach elf Jahren Intendanz verlässt Barbara Mundel das Freiburger Theater. Ihre letzte Premiere, Mozarts Opernfragment «Zaide» in der Ergänzung durch Chaya Czernowin, wurde in Salzburg just zu jenem Zeitpunkt uraufgeführt, als sie ihr Amt im Schwarzwald antrat. Die Liebe des mozartischen Paares kann sich nicht erfüllen, weil es in...

Gegenwart der Vergangenheit

Sie haben beide Operngeschichte geschrieben, und beide sind in ihrem Wirken eng mit der Hamburgischen Staatsoper verbunden: Melitta Muszely, Walter Felsensteins legendäre Violetta (Hamburg 1960), und der im Verdi- und Richard-Strauss-Fach weltweit gefeierte Bariton Franz Grundheber. Er begeht am 27. September seinen 80., sie am 13. September ihren 90. Geburtstag.

...

Apropos... Belcanto

Frau Rebeka, Sie haben unter anderem in Pesaro studiert. Kommt man damit automatisch zu Rossini?
Nein. Ursprünglich wollte ich niemals Rossini singen. So viele Noten! So komplizierte Verzierungen! Rossini ist trotzdem ein Schicksalskomponist für mich. Meine erste Bühnenerfahrung war in Parma ein «Barbiere di Siviglia» für Kinder. Ich wusste, dass die Accademia in...