Vom Bettler zum König
Die Handlung des «Aschenputtel»-Märchens ist hinlänglich bekannt, doch die Wendung, die der Komponist Gioacchino Rossini ihr verleiht, ist interessant: Er fügt die Figur des Alidoro ein, von dem man nicht so genau weiß, ob er «nur» ein philosophierender Lehrer und Erzieher des jugendlichen Prinzen Don Ramiro ist oder ob mehr dahintersteckt. Jochen Schönleber, Intendant des Rossini-Festivals im beschaulichen Kurort Bad Wildbad, wertet in seiner Inszenierung der «Cenerentola» diesen Alidoro auf.
Bereits in der szenisch bebilderten Ouvertüre ist er als Bettler zu sehen, der auf die gütige weibliche Hauptfigur trifft und somit die Freundlichkeit und Menschlichkeit dieser «Cenerentola» genannten Angelina am eigenen Leib erlebt. Im Verlauf der Handlung tritt er dann immer wieder als Strippenzieher in Erscheinung, lenkt die Ereignisse und wird am Ende zwar überraschend, aber auch verständ -licherweise auf den Thron gesetzt. Da drückt sich auch die übergroße Dankbarkeit Angelinas aus, wenn sie diesem Alidoro derart die Ehre erweist. Zum Erfolgsrezept des Rossini-Festivals im nördlichen Schwarzwald gehört es, dass man in jedem Jahr ein populäres Hauptwerk auf die Bühne bringt, wobei die ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 40
von Markus Dippold
Der Kritiker der «New York Times», John Rockwell, erlebte 1976 in Avignon eine Uraufführung, «die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird». Und tatsächlich: «Einstein on the Beach» zu sehen und zu hören, das Musiktheater der beiden US-Amerikaner Philipp Glass und Robert Wilson, das bedeutete Mitte der 1970er-Jahre für die europäische Musik- und...
Der Epilog bildet den Anfang. «Die Zeit wird kommen», singen die drei Schwestern, «für uns beginnt ein neues Leben». Sie singen es in die Leere einer fiktiven Zukunft – und an diesem Abend mit drei hohen Männerstimmen, die sich so schön, selbstversunken und melancholisch ineinander ranken, als hätte Peter Eötvös das Frauen-Terzett aus dem «Rosenkavalier» einfach...
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale...
