Vom Berg Karmel

Bern: Poulenc: Dialogues des Carmélites

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Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» passt nicht mehr in unsere Zeit – könnte man denken. Was soll der moderne, ideologiekritische Mensch mit dieser wahren Geschichte von Karmeliterinnen anfangen, die in den Nachwehen der Französischen Revolution singend zur Guillotine schritten? So dachte zumindest Benedikt von Peter, als er die Dialogoper vor rund einem Jahr am Basler Theater dermaßen dekonstruierte, dass die Vorlage kaum mehr zu erkennen war. Am Berner Stadttheater geht Regisseur Bernd Mottl einen anderen Weg.

Er nimmt die Oper ernst – mit ihrem dichten Erzählton, ihrem naiven Tonfall und Spannungsbogen. Das lässt die Figuren näherrücken. Zu Beginn ist Blanche ein angstgesteuertes, autistisches Mädchen im kurzen Rock (Kostüme: Dagmar Fabisch), das sich am liebsten einen Kopfhörer aufzieht und sich von der Welt isoliert.

Rachel Harnisch verleiht dieser jungen Frau beeindruckende Präsenz: Blanches Entscheidung für den Orden ist ein Weg zur Selbstfindung. Mit ihrem weich geführten, farbintensiven Sopran ist die Schweizer Sängerin in der Lage, ein genaues Seelenporträt dieser Traumatisierten zu zeichnen.

Auch den anderen Solistinnen gelingen packende ...

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Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Georg Rudiger

Vergriffen
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