Verunglückt, verbessert, angesäuert
Über die Krise des Verdi-Gesangs lässt sich wohlfeil klagen. Ausgeblendet wird dabei meist eine nicht minder bedenkliche Krise der Verdi-Regie. Diese letztere Krise greift besonders dann, wenn die Produktionen eine gewisse Etat- und Gagenklasse überschreiten. Vor allem davon künden die hier vorgestellten DVD-Neuerscheinungen, egal ob sie Aufführungen von 2008 oder 1978 konservieren.
Man nehme etwa den 1978er-«Troubadour» aus der Wiener Staatsoper.
Eine legendäre Aufführung, verließ doch Franco Bonisolli während der Generalprobe wutschnaubend die Bühne und wurde in späteren Aufführungen durch Plácido Domingo ersetzt. Der befand sich auf dem Karrierezenit, obgleich er in der Stretta etwas nervös attackiert. Doch allein sein verführerisches «Ah si ben mio» ist den Kauf der DVD wert. Raina Kabaivanska ist eine Leonora ohne Tricks: genau im Ansatz, klug und nobel in der Phrasierung, was Substanzverluste in tieferen Lagen ausgleicht. Piero Cappuccilli (Luna) vertraut auf Vokalmuskelspiele, Fiorenza Cossotto auf die Expressivität der Stummfilmzeit, während José van Dam als Ferrando den Kollegen zeigt, was makellose Stimmkultur eigentlich bedeutet. Herbert von Karajans kraftvoll-saftige ...
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Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...
Was sich leicht singt, ist schwer zu schreiben. Es gab und gibt immer nur wenige Komponisten, die sich mit der menschlichen Stimme als Instrument befassen. Dabei geht es weniger um Fragen des Umfangs oder der Dynamik als um die Balance der Lagen, um physische Spannung und Entspannung, um das Verhältnis von Klang und Emotion. Für Stimmen komponieren bedeutet mehr,...
Dichter kann ein Opernmonat kaum sein. Abseits der Metropolen kommt Franz Schreker endlich einmal wieder zu seinem Recht. Chemnitz holt den «Schmied von Gent» aus dem Vergessen, und Augsburg setzt sich für «Der ferne Klang» ein. Die musikalischen Ergebnisse rechtfertigen in beiden Fällen den Aufwand. In Berlin rivalisieren Staatsoper und Komische Oper in Sachen...
