Komödie des Triebs
Etwas ist faul im Hause Almaviva. Zwar verläuft David Hermanns Inszenierung von «Le nozze di Figaro» am Luzerner Theater weitgehend in den gewohnten Bahnen – doch wer sind die uniformierten Herren, die im Hintergrund auffällig unauffällig das Geschehen beobachten? Warum hat der Graf immer wieder unerwartete Aussetzer? Und warum ist Basilio so hochneurotisch? Antwort geben die letzten Minuten der Aufführung: Die Uniformierten sind das Personal einer Irrenanstalt, Mozarts Figuren die in unterschiedlichem Maß kranken Insassen, die nun für die Nacht eingesperrt werden.
Das ist als Regiekonzept allzu dürftig. Zudem ist die Idee reichlich abgenutzt. Immerhin könnten der Regisseur und sein Dramaturg Christian Kipper auf die Vorlage der Oper verweisen: Die Komödie von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais heißt schließlich «La folle Journée ou le Mariage de Figaro». Allerdings haben Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte den ersten Teil dieses Titels mit Bedacht nicht übernommen, und die Partitur stützt die Verlegung ins Irrenhaus natürlich in keinem Moment.
Trotzdem ist der Abend sehenswert. Das liegt zum einen an der sehr sorgfältigen, im Rahmen des Konzepts stimmigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Kollo, mit 72 Jahren trauen Sie sich noch an ein Rollendebüt in einer zeitgenössischen Oper heran. Respekt!
Ich mag die Musik von Peter Eötvös. Ich bin sicher kein Experte für zeitgenössische Musik und würde nicht unbedingt in einer Stockhausen-Oper singen wollen. Aber die Figuren in «Love and other Demons» haben etwas Berührendes, ein Geheimnis, das sie...
Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...
Es ist verlockend, die «Lieder eines Jahres» mit «Night and Dreams», dem vor Kurzem erschienenen Recital ihrer Fachkollegin Measha Brueggergosman, zu vergleichen. Während die Kanadierin über üppige stimmliche Mittel verfügt, mit ihnen aber nicht genug anfängt, ist es bei Christiane Karg genau andersherum: Das Farbspektrum ihres leichten Soprans ist noch begrenzt,...
