Volkstheater und Kammerspiel

Einer für alle(s): Gustav Kuhn dirigiert, inszeniert und beleuchtet in Erl «Fidelio» und «Die Meistersinger»

Opernwelt - Logo

Nach dem «24-Stunden-Ring» im Jahr 2005 und dem einwöchigen «Sixpack» mit der Tetra-logie plus «Tristan» und «Parsifal» 2007 gaben sich die Festspiele Erl in diesem Jahr nachgerade bescheiden: Zwei Produktionen hatte der Tiroler Festival-Chef Gustav Kuhn anberaumt, mit den «Meistersingern» und «Fidelio» allerdings ausgesprochene Schwergewichte.


Erl ist das Unikum unter den Sommer-Festivals, nicht nur wegen der ungewöhnlichen Spielstätte, einem Passionsspielhaus ohne echte Theaterbühne, sondern auch aufgrund der raren Leitungskonstellation: Maestro Kuhn ist nicht nur Festspiel-Leiter, sondern in Personalunion auch Dirigent, Regisseur und – wie das Programmheft akribisch vermerkt – Beleuchter. Damit verfügt der einstige «Revoluzzer», der heute noch gern mit dem Motorrad am Festspielhaus vorfährt, über eine patriarchalische Machtfülle, wie sie allenfalls seinem Lehrmeister Herbert von Karajan zu Gebote stand.
Dem Festival bekommt die dominante Rolle des 63-jährigen «Erl-Königs» freilich nicht schlecht. Mit souveränem Gestaltungswillen und packendem Zugriff führt der Dirigent das junge Mammut-Orchester, das meterhoch aufgestaffelt hinter einem Gaze-Vorhang auf der Hinterbühne sitzt. Wenn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 59
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schloss und Schuppen

Nennen wir sie Rhonda. Rhonda ist achtzig Jahre alt. Die Beine tun es nicht mehr so richtig, deshalb hat sie einen Rollator dabei. Und ihren schwedischen Chaperon. Nennen wir ihn Olof. Olof ist schätzungsweise Mitte fünfzig und organisiert Reisen für vermögende Privatkunden.  Kennengelernt haben die beiden sich in – Papua-Neuguinea. Nun kommt Rhonda regelmäßig aus...

Aus der Ruhe kommt die Kraft

Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine...

Wer suchet, der findet

Frieder Bernius ist immer für eine Überraschung gut. Vor Kurzem erst holte er Schuberts unbekannte Oper «Sakontala» ans Licht, nicht lange danach legte er mit der Uraufführung von Justin Heinrich Knechts «Die Aeolsharfe» nach, die vor genau 200 Jahren in Stuttgart entstanden und seither im Archiv verstaubt war. Auch diese Ausgrabung liegt nun beim Label Carus auf...