Im Praxistest
Die Auffrischung des Kanons durch neue, spielbare und vor allem verständliche Opern ist Siegfried Matthus eine Herzenssache. Seit vielen Jahren rührt der Komponist die Trommel, um seiner Forderung nach repertoiretauglichen Stücken öffentlich Gehör zu verschaffen. Nicht nur an die Blütenträume der eigenen Schöpferseele, sondern auch an die Theaterpraxis und ein bisschen auch ans Publikum denken, lautet seine Devise.
Um gleichsam am lebenden Objekt zu zeigen, was er meint, hat Matthus im brandenburgischen Rheinsberg vor ein paar Jahren eine Werkstatt für junge Tonsetzer und Librettisten angestoßen. Die Grundidee: Talent ist nicht alles, zum Musiktheater gehört auch Handwerk, und das sollte unter Realbedingungen erlernt werden. So wie die Nachwuchssängerinnen und -sänger das tun, die allsommerlich für die «Kammeroper Schloss Rheinsberg» eingeladen werden, um im Schatten von Friedrichs idyllischem Kronprinzenschloss Bühnenluft zu schnuppern. Eine Art Opernstudio auf dem Lande also, bei dem weniger das hochfliegende Experiment als ein bodenständiger Sinn fürs Machbare im Vordergrund steht.
Was nicht heißt, dass Matthus Kühnes prinzipiell meidet: Zum Auftakt der 19. Saison des seit 1991 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Jede Fotografie», schrieb Susan Sontag in ihrer kleinen Philosophie der
Kamerakunst, «ist eine Art Memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche...
Was die Frage der schnellen «Parsifal»-Tempi betrifft, liegt Gustav Kuhn sicher richtig. Wagner wollte einen durchweg flüssigen Duktus für sein Bühnenweihfestspiel. Kein Pathos, keine bis an die Grenzen der Spielbarkeit (Atem der Bläser!) getriebenes Stillstehen der Zeit. Insofern ist die Initiative aus Erl zu begrüßen: «Parsifal» auf nur drei CDs. Trotzdem fragt...
Il grande cacciatore. Irgendwie erinnert die stete Jagd Giacomo Puccinis (der im Übrigen auch echtes Wild mit großer Begeisterung erlegte) nach Frauenliebe an Max Frischs Schauspiel «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», in dem der Titelheld an der Einsicht reift, wirkliche Erfüllung im realen Leben nicht finden zu können, und sich deswegen in die Geometrie...
