Liebestod à la greque
Das Opernleben in Griechenland ist jenseits der Landesgrenzen fast so unbekannt wie der Name des griechischen Opernkomponisten Pavlos Carrer oder auch Paolo Carrer (eigentlich Carreris). Er zählt zu jenen Komponisten, an denen das Italien der Verdi-Zeit reich war. Kaum eine Enzyklopädie verzeichnet auch nur seinen Namen, obwohl Carrer immerhin sechs Opern komponiert hat. In Mailand hatte er sich seit 1850 bei Bosserone, Tasistri und Winter den letzten kompositionstechnischen Schliff geholt. Am dortigen Teatro Carcano hat er in den frühen 1850er Jahren seine ersten Opern uraufgeführt.
1886 schrieb er, auf ein Libretto von Ricordano Marzocchi (hinter dem Pseudonym verbirgt sich der aus Carrers Heimat stammende Dichter Agamemnon Martzokis) seine vorletzte Oper «Marathon Salamis», nach eigenem Bekunden sein vollkommenstes Werk. Ein patriotisches Drama über den Sieg der Griechen über die Perser, in dessen Mittelpunkt Alexander der Große steht, um den zwei Frauen kämpfen: die Tänzerin Fedima, die von Alexander ein Kind hat, und Mirto, die Tochter des Temistocle. Das politische Drama wird am Ende dominiert vom privaten Liebestod à la grecque: Alexander ersticht erst Fedima, dann sich ...
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