Liebestod à la greque

Athen, Carrer: Marathon Salamis

Opernwelt - Logo

Das Opernleben in Griechenland ist jenseits der Landesgrenzen fast so unbekannt wie der Name des griechischen Opernkomponisten Pavlos Carrer oder auch Paolo Carrer (eigentlich Carreris). Er zählt zu jenen Komponisten, an denen das Italien der Verdi-Zeit reich war. Kaum eine Enzyklopädie verzeichnet auch nur seinen Namen, obwohl Carrer immerhin sechs Opern komponiert hat. In Mailand hatte er sich seit 1850 bei Bosserone, Tasistri und Winter den letzten komposi­tions­technischen Schliff geholt. Am dortigen Teatro Carcano hat er in den frühen 1850er Jahren seine ­ersten Opern uraufgeführt.

1886 schrieb er, auf ein Lib­retto von Ricordano Marzocchi (hinter dem Pseudonym verbirgt sich der aus Carrers Heimat stammende Dichter Agamemnon Martzokis) seine vorletzte Oper «Marathon Salamis», nach eigenem Bekunden sein vollkommens­tes Werk. Ein patriotisches Drama über den Sieg der Griechen über die Perser, in dessen Mittelpunkt Alexander der Große steht, um den zwei Frauen kämpfen: die Tänzerin Fedima, die von Alexander ein Kind hat, und Mirto, die Tochter des Temistocle. Das politische Drama wird am Ende dominiert vom privaten Liebestod à la grecque: Alexander ersticht erst Fedima, dann sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Dieter David Scholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Griechische Passion

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: Dietrich Hilsdorf hat seine Inspiration zur szenischen Umsetzung der Johannes-Passion aus dem griechischen Dorf Lias mitgebracht. Eine gute, eine passende Chiffre für Besatzungs- und Bürgerkriegssituationen, an denen die griechische neuere Geschichte so traurigen Reichtum birgt. Dieter Richters Bühnenbild bringt...

Countdown der Rache

Es hätte der Eröffnungspaukenschlag werden können für das neue Opernhaus in Kopenhagen: eine «Elektra» inszeniert von Peter Konwitschny. Man könnte kaum deutlicher internationale Ambitionen demonstrieren. Der deutsche Stargast hielt, was sein Name verspricht. Er reißt nicht nur mit sezierendem Blick eine szenische Fallhöhe vom Archaischen ins Alltägliche auf,...

Das Schöne, Wahre, Gute

Zeitgeschichte und reale Lebenswelt spielen im Musiktheater unserer Tage oft nur eine marginale Rolle: Krieg der Zivilisationen, Massenarbeitslosigkeit, Naturkatastrophen – von derlei Phänomenen mögen Millionen betroffen sein, doch als Stoff, aus dem bewegende Opern zu gewinnen wären, taugen sie deshalb noch lange nicht. Statt auf der Bühne Probleme des banalen...