Vokales Ebenmaß
Helene Steffan, die langjährige Tonmeisterin des Bayerischen Rundfunks, war eine resolute, ja gefürchtete Dame. Ihrem Ohr entging nicht der kleinste Fehler, und sie hatte keine Hemmungen, auch weltberühmten Künstlern deutlich zu sagen, was da gerade an Schludrigkeiten in die Mikros geschwappt war. Schwärmen oder Verklären war ihre Sache nicht. Doch in einem Fall machte sie eine Ausnahme. Die Schubert-Lieder, die sie Anfang der achtziger Jahre mit Margaret Price und Wolfgang Sawallisch aufgenommen hatte, schienen ihr maßstabsetzend. Damit hatte sie vollkommen Recht.
Wichtig waren damals die Umstände: kein steriles Studio, sondern ein Kloster im Chiemgau. Price hatte ihre Hunde um sich und war glücklich. Münchens GMD machte Ferien vom Amt und beherrschte die Kunst des führenden bzw. fordernden Begleitens. Und Helene Steffan hatte ein Händchen dafür, wie die Mikrofone beim schwer einzufangenden Duo Singstimme/Klavier zu positionieren waren. Die Platte, erschienen beim Label Orfeo (C 001811 A), ist bis heute ein Solitär. Wo wäre die fragile Natürlichkeit von «Im Grünen» so eingefangen wie hier? Wo der Tiefsinn von «Im Abendrot»? Wo die Poesie des «Hirt auf dem Felsen»?
Wenn die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
Mit drei fast zeitgleich veröffentlichten Recitals geht Virgin Classics in eine Primadonnen-Offensive, die sich auch in der Programmgestaltung vom Mainstream abzuheben versucht. Im Fall der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce Di Donato ist die Idee eines Konzept-Albums, das bekannte Opernstoffe von verschiedenen Seiten beleuchtet, sei es durch den Wechsel der...
