Vokales Ebenmaß

Zum Tod der Sopranistin Margaret Price

Opernwelt - Logo

Helene Steffan, die langjährige Tonmeisterin des Bayerischen Rundfunks, war eine resolute, ja gefürchtete Dame. Ihrem Ohr entging nicht der kleinste Fehler, und sie hatte keine Hemmungen, auch weltberühmten Künstlern deutlich zu sagen, was da gerade an Schludrigkeiten in die Mikros geschwappt war. Schwärmen oder Verklären war ihre Sache nicht. Doch in einem Fall machte sie eine Ausnahme. Die Schubert-Lieder, die sie Anfang der achtziger Jahre mit Margaret Price und Wolfgang Sawallisch aufgenommen hatte, schienen ihr maßstabsetzend. Damit hatte sie vollkommen Recht.

Wichtig waren damals die Umstände: kein steriles Studio, sondern ein Kloster im Chiemgau. Price hatte ihre Hunde um sich und war glücklich. Münchens GMD machte Ferien vom Amt und beherrschte die Kunst des führenden bzw. fordernden Begleitens. Und Helene Steffan hatte ein Händ­chen dafür, wie die Mikrofone beim schwer einzufangenden Duo Singstimme/Klavier zu positionieren waren. Die Platte, erschienen beim Label Orfeo (C 001811 A), ist bis heute ein Solitär. Wo wäre die fragile Natürlichkeit von «Im Grünen» so eingefangen wie hier? Wo der Tiefsinn von «Im Abendrot»? Wo die Poesie des «Hirt auf dem Felsen»?

Wenn die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos ... Lyrik

Frau Baechle, liegen die Gedichte von Anna Achmatova auf Ihrem Nachttisch?
Natürlich habe ich jetzt einiges von ihr gelesen: das «Poem ohne Held», das zu der Zeit entstand, in der auch die Oper spielt, dazu Erinnerungen, Literatur über die Stalin-Zeit und andere Achmatova-Gedichte. In der Oper selbst kommen allerdings nur zwei Gedichte von ihr vor.

Spielt die reale...

Bürgerliches Trauerspiel

Der Olymp liegt hinter einer Flügeltür. Oben auf der Galerie, zu der eine hochherrschaftliche Treppe führt, die das holzvertäfelte Vestibül symmetrisch in zwei Hälften teilt. Links und rechts neben der Tür hängen die Ahnen an der Wand. In Öl, ordentlich gerahmt. So entrückt wie der meist abwesende Patriarch (Jupiter), der, vom Treiben unten im Foyer hermetisch...

Selbst ernannter Prophet

Die Insignien und Embleme unterschiedlichster Religionen, sie fügen sich hier zu einem unheimlichen, erdrückend wirkenden Labyrinth aus Statuen. Antike Gottheiten: Buddhas, Pharaonen, Drachen, Madonnen, Gekreuzigte... Wer findet sich noch zurecht auf diesem Skulpturenfriedhof? Wer verheißt Orientierung? Wo sind die echten Heilsbringer?

Für Joan Anton Rechi, Alfons...