O und E und der Gau
Im StaatenHaus, der Ausweichspielstätte der Kölner Oper, sieht es aus wie in einem Atommüll-Lager. Die Ausstatterin Patricia Talacko nutzt die Nähe zwischen Publikum und Kunst und bettet das Zuschauerpodest zwischen weiße Plastiksäcke. Noch nie wirkte Weiß so giftig. Mit gespitzten Ohren ist zu erahnen, dass das nervige Gemurmel im Hintergrund aus Lautsprechern kommt. Die INES-Skala wird verlesen: Jene Skala, nach der Störfälle in Kernkraftwerken gemessen werden und nach der auch diese Oper benannt ist. Es geht um die höchste Zahl der Skala: 7.
Es geht aber auch um O und E, die aktualisierten Versionen von Orpheus und Eurydike. Es geht um Liebe, Trauer und Verlust und darum, eine alte Erzählung zu nutzen, um für das mittlerweile zur Hülse gewordene Wort «Katastrophe» eine neue Bedeutung zu finden: wenn Fotos von Schatten (das ist alles, was die Atombombe von Menschen in Hiro -shima hinterlassen hat) oder von gespenstischen Landschaften in der «Dark Tourism»-Hochburg Tschernobyl im überreizten Gegenwartsmenschen kaum mehr auslösen als ein bisschen Schauer.
Das fragmentarisch angelegte, sprachlich mitunter recht trockene Libretto der Regisseurin Katharina Schmitt benutzt der ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Chernomordik
Eine Operette, die keine Adligen, keine reichen Bürgersleut’ in den Mittelpunkt stellt, sondern gewöhnliche Werktätige? Aber ja, die gibt es, Gerd Natschinski hat sie komponiert. Sein «Messeschlager Gisela» wurde 1960 am Metropol-Theater in Berlin uraufgeführt, dem heutigen Admiralspalast, und war in der DDR ein großer Hit – bis zum Mauerbau ein Jahr später. Danach...
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Christophe Rousset was here!» Nicht, dass dieser Dirigent optisch an die Figur auf dem Kilroy-Graffito erinnern würde – eher lässt er an die Grimm’sche Fabel vom Hasen und dem Igel denken. Denn wer immer in der Landschaft der Alten Musik vermeintliches Niemandsland betritt, mag im Geiste das «Ich bin schon da» des Franzosen hören. Auf seine hochgelobte Aufnahme von...
