O und E und der Gau
Im StaatenHaus, der Ausweichspielstätte der Kölner Oper, sieht es aus wie in einem Atommüll-Lager. Die Ausstatterin Patricia Talacko nutzt die Nähe zwischen Publikum und Kunst und bettet das Zuschauerpodest zwischen weiße Plastiksäcke. Noch nie wirkte Weiß so giftig. Mit gespitzten Ohren ist zu erahnen, dass das nervige Gemurmel im Hintergrund aus Lautsprechern kommt. Die INES-Skala wird verlesen: Jene Skala, nach der Störfälle in Kernkraftwerken gemessen werden und nach der auch diese Oper benannt ist. Es geht um die höchste Zahl der Skala: 7.
Es geht aber auch um O und E, die aktualisierten Versionen von Orpheus und Eurydike. Es geht um Liebe, Trauer und Verlust und darum, eine alte Erzählung zu nutzen, um für das mittlerweile zur Hülse gewordene Wort «Katastrophe» eine neue Bedeutung zu finden: wenn Fotos von Schatten (das ist alles, was die Atombombe von Menschen in Hiro -shima hinterlassen hat) oder von gespenstischen Landschaften in der «Dark Tourism»-Hochburg Tschernobyl im überreizten Gegenwartsmenschen kaum mehr auslösen als ein bisschen Schauer.
Das fragmentarisch angelegte, sprachlich mitunter recht trockene Libretto der Regisseurin Katharina Schmitt benutzt der ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Anna Chernomordik
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