Arbeit für den Tatortreiniger
Er war, im November 1924, zur Bestrahlung seines Kehlkopfkrebses nach Brüssel gekommen. Brüssel aber wurde Puccinis Sterbeort, und er hinterließ seine letzte Oper unvollendet, mutmaßlich nicht nur nicht fertig komponiert, sondern stehengeblieben in einer dramaturgischen Sackgasse.
Mutmaßlich hätte Puccinis Genie mit dem vorgesehenen außerordentlichen Liebesduett zum Finale das Glaubwürdigkeitsproblem mit grandioser Musik überspielen können: dass nämlich die Wandlung der Eisprinzessin zur liebenden Frau durch einen einzigen Kuss doch etwas überraschend kommt; dass die Feier von amor, Reinheit und alles überglänzender Morgenröte nicht wirklich ungetrübt bleibt, wo dem hohen Paar doch die arme Liu, tot aus bedingungsloser Liebe, quasi vor den Füßen liegt. Was wäre dem Meister da noch eingefallen? Der Schluss, wie ihn Franco Alfano komponiert hat, dessen (gekürzte) Fassung an der Brüsseler Monnaie gespielt wird, löst dieses Problem bekanntermaßen nicht. Auch wenn die Frage, wie es mit Turandot/Calaf wohl weiter ginge, so unsinnig ist wie die nach dem Eheleben von Glucks Orpheus und Eurydike, nachdem sie ihre zweite Chance bekommen: So etwas fragt man nicht.
Die neue «Turandot» des ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze
Das Diaghilev-Festival in Perm, 2003 gegründet und seit 2011 von Teodor Currentzis geleitet, wurde in diesem Jahr mit der «Matthäus-Passion» von Johann Sebastian Bach eröffnet. Im frisch renovierten Großen Saal der Philharmonie Perm zeigten das Orchester und der Chor musicAeterna, der Kinderchor «Vesna» und starke Solisten unter Currentzis, wie sich ein ganz...
Tenor oder Bariton, das ist hier die Frage. Und als solche nicht ganz so leicht zu beantworten, wie es sich mancher Purist mit ausgeprägter Neigung zu hohen Stimmen vielleicht wünschte. Denn wo in anderen Fällen der Wille des Komponisten als ultima ratio zu gelten hat, ist bei Jules Massenets Drame lyrique «Werther» die Faktenlage etwas uneindeutig. Zwar...
Wir nehmen an, dass Jacquot nicht meinte, was er krähte: «Richard Wagner ist ein böser Mann». Denn Papageien sprechen ja quasi onomatopoetisch nach, was man ihnen regelmäßig vorsagt, und Minna Wagner hatte den bunten Vogel entsprechend instruiert. Wobei Richard in einem Brief vom 14. September 1858 an Minna spöttisch forderte, Jacquot solle sagen, Richard Wagner...
