Arbeit für den Tatortreiniger

Puccini: Turandot in Brüssel

Opernwelt - Logo

Er war, im November 1924, zur Bestrahlung seines Kehlkopfkrebses nach Brüssel gekommen. Brüssel aber wurde Puccinis Sterbeort, und er hinterließ seine letzte Oper unvollendet, mutmaßlich nicht nur nicht fertig komponiert, sondern stehengeblieben in einer dramaturgischen Sackgasse.

Mutmaßlich hätte Puccinis Genie mit dem vorgesehenen außerordentlichen Liebesduett zum Finale das Glaubwürdigkeitsproblem mit grandioser Musik überspielen können: dass nämlich die Wandlung der Eisprinzessin zur liebenden Frau durch einen einzigen Kuss doch etwas überraschend kommt; dass die Feier von amor, Reinheit und alles überglänzender Morgenröte nicht wirklich ungetrübt bleibt, wo dem hohen Paar doch die arme Liu, tot aus bedingungsloser Liebe, quasi vor den Füßen liegt. Was wäre dem Meister da noch eingefallen? Der Schluss, wie ihn Franco Alfano komponiert hat, dessen (gekürzte) Fassung an der Brüsseler Monnaie gespielt wird, löst dieses Problem bekanntermaßen nicht. Auch wenn die Frage, wie es mit Turandot/Calaf wohl weiter ginge, so unsinnig ist wie die nach dem Eheleben von Glucks Orpheus und Eurydike, nachdem sie ihre zweite Chance bekommen: So etwas fragt man nicht.

Die neue «Turandot» des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Kleines Dorf, große Oper

Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...

Vorschau und Impressum 8/24

Weltenerfinder
Er zählt, neben Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann und dem Mitte März verstorbenen Aribert Reimann, zur Crème de la Crème der bundesdeutschen (Opern)Komponisten. Werke wie «Orest», «La grande magia», «Eurydice ...» und «Septembersonate» sind Meilensteine des zeitgenössischen Musiktheaters. Ende Oktober wird Manfred Trojahn 75 Jahre alt. Anlass genug...

Editorial Opernwelt 8/24

Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich...