Visionär

Neueinspielungen von Opern Jean-Philippe Rameaus unter Ivor Bolton, Raphaël Pichon, Christophe Rousset sowie eine grandiose «Schwarze Messe» nach Rameau und Gluck mit Stéphane Degout

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Dass an Finanzbeamten auch Gutes sein kann, suggeriert schon das Neue Testament. Denn «Zöllner» Zachäus, ein die Juden im Namen Roms ausblutender Steuereintreiber, erlebt nach Lukas 19, 1-10 seine Metanoia und verschenkt die Hälfte des Besitzes an die Armen.

Und auch der Pariser Steuerpächter Le Riche de La Pouplinière übte Wohltätigkeit: Zwar gab er nicht gleich sein halbes Vermögen an Minderbemittelte, doch weil seine Gattin Thérèse ihr Herz im Takte der Musik von Jean-Philippe Rameau schlagen ließ, förderte er den wenig begüterten Komponisten, nahm ihn in sein Haus auf und stellte ihm sein Privattheater zur Verfügung. Weswegen Rameau sich im relativ vorgerückten Alter an neue Projekte setzen konnte. 50 war er, als er 1733 seine erste Oper schuf, «Castor et Pollux». Mit «Les Indes Galantes« führte er zwei Jahre später die von André Campra begründete Gattung der Ballettoper erfolgreich weiter.

Die visionäre Qualität von Ra­meaus Musik, auf die bereits Nikolaus Harnoncourt nimmermüde hinwies (für ihn war der Franzose Wegbereiter für Haydn und Mozart), ist heute unbestritten. Auch Ivor Bolton, musikalischer Cicerone bei «Les Indes galantes» an der Bayerischen Staatsoper, weiß das ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché

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