Der tönende Blick

Das Salzburger Neue-Musik-Festival «Aspekte» erkundet den Klang der Bilder – unter anderem mit einer neuen Stummfilmpartitur von Johannes Kalitzke

Seit mehr als 40 Jahren leistet in Salzburg das Festival «Aspekte» wertvolle Dienste für Musik unserer Zeit. Seit 2006 setzt der Komponist und Pädagoge Ludwig Nussbichler als künstlerischer Leiter klare thematische Schwerpunkte. Für die heurige Ausgabe fand er das Motto «Moving Pictures». Der tönende Blick in die Welt des Films sollte mehr als nur illustrative Musiken zu Lichtspielszenen generieren. Es ging, dem Festivalnamen entsprechend, um verschieden gewichtete Aspekte des Filmischen in der und für die Musik.

So fand eine von mehreren neuen Kompositionen angeregte Raum-Klang-Lichtinstallation des jungen Salzburger Ensembles NAMES und der Medienkünstlerin Conny Zenk ebenso Platz wie zwei Klassiker bebildeter (oder assoziativ bildreicher) Musik. Steve Reichs immer wieder intensiv ein- und nachwirkendes Streichquartett «Different Trains» wurde zur schmerzlich treibenden Tonspur eines (vom Komponisten selbst ausdrücklich bevorzugten) dreigeteilten Schwarz-Weiß-Kunstvideos mit Dokumentarfilmsequenzen von Beatriz Caravaggio: Musik als Material für einen Film.

Der mit dem Begriff «Video-Oper» nicht wirklich zutreffend beschriebene «An Index of Metals» des 2004 mit nur 41 Jahren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Karl Harb

Weitere Beiträge
Kindestraum(a)

In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder...

Von Wagner zu Donizetti

Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...

Neues Licht

Von Pergolesi waren bis vor Kurzem mehr ihm untergeschobene oder fälschlich zugeschriebene Werke im Umlauf als echte. Das Verhältnis von authentischen zu unechten Kompositionen beträgt eins zu zehn – einer der höchsten Werte in der gesamten Musikgeschichte. Umso größer ist die Überraschung, wenn jetzt erstmals zwei umfangreiche Werke des früh verstorbenen...