Vier Säulen
Herr Ono, gibt es im Japanischen ein Synonym für das deutsche Wort «Systemrelevanz»?
Nein. Dennoch kann unsere Arbeit nicht existieren, ohne systemrelevant zu sein. Am New National Theatre Tokyo funktioniert das jedenfalls außerordentlich gut. Das Team harmoniert miteinander, alle Bereiche – der künstlerische, der technische wie auch der kommerzielle – arbeiten eng zusammen. Und wenn ich mir als Künstlerischer Leiter des Hauses etwas Bestimmtes wünsche, wird das sofort realisiert.
Hört die Politik auf Sie? Und ist der Politik klar, wie wichtig das ist, was Sie machen?
Wir erfahren eine große Unterstützung und Wertschätzung seitens der Politik. So konnten wir zum Beispiel in der letzten Spielzeit alle Vorstellungen spielen. Improvisieren mussten wir lediglich bei den Chorauftritten. Ein Teil des Chores musste bei den fünf «Meistersinger»-Aufführungen im November – einer Koproduktion mit Salzburg und der Dresdner Semperoper – hinter der Bühne singen. Den Erfolg des Abends hat dies aber keineswegs geschmälert, es war eine sehr kreative Arbeit.
Wie werden die politischen Kontexte von Wagners «Meistersinger» in Japan reflektiert?
Wie Sie wissen, gibt es nur eine Stelle am Ende, die ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer...
Würde diese Oper nur wenige Minuten dauern, sie wäre ein Meisterwerk. Denn während dieser Zeit hört man den Chor der Geister, von links und rechts, respektive vorne und hinten (das Publikum sitzt verteilt auf einem Tribünen-L). Man hört ein Flüstern und Raunen, genau geführt, genau notiert, das klingt, als spräche, sänge der Wind, als wehten Worte durch den Raum,...
Man benötige einen Wasserfall, vier Feuerräder, zwölf galoppierende Pferde, lebende Hirsche […] und […] eine unschuldige Verlobte …». Aber eben daran scheitere «jede Inszenierung», urteilte einst der große Humorist und Opernkenner Loriot über Schwierigkeiten der Realisation von Carl Maria von Webers «Freischütz». Gleichviel: Welcher Regisseur hat sich in den...
