Die Pflanzen tanzen
Man schrieb das Jahr 1996 an der Adria. Juan Diego Flórez, eigentlich für eine kleine Rolle vorgesehen, übernahm die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran». Und ebnete sich damit den Weg auf die großen Bühnen der Welt. Auch in diesem Jahr war Flórez beim Rossini Opera Festival in Pesaro zu hören, in der Titelrolle von «Le comte Ory», den Gioachino Rossini 1828 als seine vorletzte Oper für Paris schrieb.
Es ist eine Mittelalterparodie, die bis heute frech wirkt: Während sich die meisten tapferen Ritter auf Kreuzzug befinden, kümmert sich der berüchtigte Graf Ory lieber daheim um die unbefriedigten Burgfräulein – wozu er sich ihnen zunächst unter dem heiligen Schein eines Eremiten, dann im Ordensgewand einer Klosterschwester annähert. Flórez hat merklich Spaß an der Lizenz zum Bühnengrabschen, singt maximal textverständlich, kraftvoll und beweglich zugleich. Vielleicht klang er früher noch etwas eleganter in seinem Hausfach als Tenore di grazia. Aber schließlich übernimmt er nicht nur auf den Bühnen inzwischen gewichtigere Rollen, sondern auch beim ROF, wie das Festival in der italienischen Küstenstadt meist abkürzend genannt wird. Als direttore artistico arbeitet er seit ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Stallknecht
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Der Saarbrücker «Ring» von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka hätte 2020 starten sollen. Die Pandemie verhinderte es und lässt nun die in weißen Schutzanzügen arbeitenden Laboranten auf der Bühne viel gegenwärtiger, auch zeitgeistiger erscheinen, als es geplant gewesen sein muss. Vorab ist zu lesen, dass Szemerédy und Parditka auf Götter und Mythen...
Man kämpft sich, vom Bahnhof Friedrichstraße kommend, durch die Masse von Demonstrierenden, die Freiheit und Selbstentfaltung der Frauen im Iran fordern, und denkt sich: «In der Komischen Oper gibt es gleich Nonos ‹Intolleranza›. Da geht es auch um das, was Menschen anderen Menschen antun können!» Und man ertappt sich dabei, die eigene Lebenswelt im zufälligen here...
