Die Pflanzen tanzen

Das Rossini Opera Festival präsentiert «Le comte Ory», «La gazzetta» und einen szenisch wie musikalisch bezwingenden «Otello»

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Man schrieb das Jahr 1996 an der Adria. Juan Diego Flórez, eigentlich für eine kleine Rolle vorgesehen, übernahm die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran». Und ebnete sich damit den Weg auf die großen Bühnen der Welt. Auch in diesem Jahr war Flórez beim Rossini Opera Festival in Pesaro zu hören, in der Titelrolle von «Le comte Ory», den Gioachino Rossini 1828 als seine vorletzte Oper für Paris schrieb.

Es ist eine Mittelalterparodie, die bis heute frech wirkt: Während sich die meisten tapferen Ritter auf Kreuzzug befinden, kümmert sich der berüchtigte Graf Ory lieber daheim um die unbefriedigten Burgfräulein – wozu er sich ihnen zunächst unter dem heiligen Schein eines Eremiten, dann im Ordensgewand einer Klosterschwester annähert. Flórez hat merklich Spaß an der Lizenz zum Bühnengrabschen, singt maximal textverständlich, kraftvoll und beweglich zugleich. Vielleicht klang er früher noch etwas eleganter in seinem Hausfach als Tenore di grazia. Aber schließlich übernimmt er nicht nur auf den Bühnen inzwischen gewichtigere Rollen, sondern auch beim ROF, wie das Festival in der italienischen Küstenstadt meist abkürzend genannt wird. Als direttore artistico arbeitet er seit ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Stallknecht

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