Vier Mal Leben
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren lassen. Auch in diesem Jahr mischt er seinen ohnehin wagemutigen, entdeckungsfreudigen Spielplan gleich mit zwei Doppelabenden auf.
Den Anfang machen im Bockenheimer Depot mit «The Prodigal Son» und «The Burning Fiery Furnace» zwei der drei Kirchenparabeln von Britten. Dieser schrieb die lehrhaften, zwischen 1964 und 1968 entstandenen Stücke, die Elemente des japanischen Nō-Theaters, der mittelalterlichen Mysterienspiele sowie des Brecht-Theaters aufgreifen, für die Parish Church im heimischen Suffolk. Der Regisseur Manuel Schmitt und sein Bühnenbildner Bernhard Siegl haben in der leergefegten Industriearchitektur des ehemaligen Straßenbahndepots die Anmutung eines Kirchenraums nachgestellt. Der breite Mittelgang, bedeckt mit sieben Ackerfurchen aus Lehm, dient als Spielfläche. Die Zuschauer sitzen auf Tribünen in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Herr Gago, wie wird man Opern-Übersetzer?
Ich übersetze eigentlich hauptsächlich Literatur – zum Beispiel alle Bücher des New Yorker Musikpublizisten Alex Ross. Was die Opern-«Karriere» angeht, habe ich viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als die CD kam, übersetzte ich Hunderte von Booklets, mit Aufkommen der DVD dann zahllose...
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
Für Enthusiasten des italienischen Belcanto ist das Londoner Label Opera Rara Kult. 62 editorisch wie künstlerisch mustergültig betreute Gesamtaufnahmen fast durchweg vergessener Opern von Giovanni Simone Mayr bis Ruggero Leoncavallo sind dort erschienen. Den Anfang machte 1978 Gaetano Donizettis «Ugo, Conte di Parigi», dem seither allein 26 weitere Opern dieses...
