Vier Mal Leben
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren lassen. Auch in diesem Jahr mischt er seinen ohnehin wagemutigen, entdeckungsfreudigen Spielplan gleich mit zwei Doppelabenden auf.
Den Anfang machen im Bockenheimer Depot mit «The Prodigal Son» und «The Burning Fiery Furnace» zwei der drei Kirchenparabeln von Britten. Dieser schrieb die lehrhaften, zwischen 1964 und 1968 entstandenen Stücke, die Elemente des japanischen Nō-Theaters, der mittelalterlichen Mysterienspiele sowie des Brecht-Theaters aufgreifen, für die Parish Church im heimischen Suffolk. Der Regisseur Manuel Schmitt und sein Bühnenbildner Bernhard Siegl haben in der leergefegten Industriearchitektur des ehemaligen Straßenbahndepots die Anmutung eines Kirchenraums nachgestellt. Der breite Mittelgang, bedeckt mit sieben Ackerfurchen aus Lehm, dient als Spielfläche. Die Zuschauer sitzen auf Tribünen in den ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Es war eine der Sternstunden der Intendanten-Ära des kürzlich verstorbenen Kurt Horres an der Rheinoper, damals, 1986, als der junge Günter Krämer Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» mit Verweisen auf Hitchcocks «Vertigo» als Psychodrama unheilbarer Traumatisierungen aufschlüsselte. Horres läutete damit einen ästhetischen Paradigmenwechsel ein, der an dem bis...
Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen...
Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.
Meyer, im Juni...
