Vier Mal Leben
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren lassen. Auch in diesem Jahr mischt er seinen ohnehin wagemutigen, entdeckungsfreudigen Spielplan gleich mit zwei Doppelabenden auf.
Den Anfang machen im Bockenheimer Depot mit «The Prodigal Son» und «The Burning Fiery Furnace» zwei der drei Kirchenparabeln von Britten. Dieser schrieb die lehrhaften, zwischen 1964 und 1968 entstandenen Stücke, die Elemente des japanischen Nō-Theaters, der mittelalterlichen Mysterienspiele sowie des Brecht-Theaters aufgreifen, für die Parish Church im heimischen Suffolk. Der Regisseur Manuel Schmitt und sein Bühnenbildner Bernhard Siegl haben in der leergefegten Industriearchitektur des ehemaligen Straßenbahndepots die Anmutung eines Kirchenraums nachgestellt. Der breite Mittelgang, bedeckt mit sieben Ackerfurchen aus Lehm, dient als Spielfläche. Die Zuschauer sitzen auf Tribünen in den ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
Choreografieren
Ihre Arbeiten stehen für Heterogenität, Offenheit und Intensität. Damit hat sich Marlene Monteiro Freitas erst als Tänzerin, dann als Choreografin international einen Namen gemacht. Am Musiktheater an der Wien inszeniert sie nun auch eine Oper: Bergs «Lulu». Wir schauen zu
Singen
Ihre Anfänge liegen im Dom zu Köln. Dort sang Anna Lucia Richter im...
