Eine knifflige Aufgabe
Herr Gago, wie wird man Opern-Übersetzer?
Ich übersetze eigentlich hauptsächlich Literatur – zum Beispiel alle Bücher des New Yorker Musikpublizisten Alex Ross. Was die Opern-«Karriere» angeht, habe ich viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Als die CD kam, übersetzte ich Hunderte von Booklets, mit Aufkommen der DVD dann zahllose Untertitel, wie dann bei den Streams …
Gibt es Unterschiede zwischen den Übertiteln für Fernsehen oder DVD und denen bei den Streams aus der Met?
Was die Übertitel angeht, ist das in etwa das Gleiche. Aber bei den Streams ist viel mehr zu tun – für Covent Garden etwa muss ich vier verschiedene Übersetzungen machen: Das Skript für die Präsentation, die Moderationen, die Operntexte selbst und das «Docutainment» für die Streaming-Pausen – Probenausschnitte, Interviews und so weiter.
Die Operntexte sind dann aber immer identisch, oder?
Nein – auch hier gibt es mehrere Arten von Übersetzungen: Erstens, die Übersetzung, die gedruckt wird, zweitens die für die Übertitel – und, auch das gehört manchmal dazu, drittens die Übersetzung, die dann gesungen werden soll. Das ist etwas ganz anderes – und das Schwierigste. Die erste Version ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
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Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows...
