Traumrolle Carmen
Das Schöne an sorgfältig geführten Archiven ist, dass man noch Jahrzehnte nach einer Aufführung seine Erinnerung auffrischen kann – und weil die Wiener Staatsoper über ein solches Archiv verfügt, ist es ein Leichtes, noch einmal jenen Septemberabend des Jahres 1998 heraufzubeschwören, als sich im Haus am Ring der Vorhang zu Georges Bizets «Carmen» hob, in einer Version, die praller, prächtiger (und klischeebehafteter) kaum sein konnte.
Franco Zeffirellis Inszenierung in der Ausstattung von Leo Bei und mit der bunt-schillernden Choreographie Rafael de Cordovas entsprach so ganz und gar dem Geschmack des breiten Publikums. Und das lag nicht nur an der Regie, sondern ebensosehr an den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern: José Cura war ein Don José von stattlicher Kontur (und damit endlich mal ein glaubwürdiger Kontrahent für den virilen Escamillo, Anthony Michaels-Moore), und an seiner Seite hatte er eine Carmen, für die es sich definitiv zu kämpfen und tenorale Höhengefilde anzustreben lohnte.
Die Titelpartie in Bizets Oper aber, sie war wie gemacht für Béatrice Uria-Monzon. Hier konnte sie ihre blühende, warme, gleichwohl an Mozart geschulte (und deswegen, wo nötig, auch ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Jürgen Otten
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