Viel Licht
Dame Felicity Lott und der Pianist Sebastian Wybrew waren die Tutoren der Liedkurse, die die Académie Orsay-Royaumont im Winter 2021/22 in der ehemaligen Abtei Royaumont abhielt. Wie in den Jahren zuvor sind auch diesmal wieder Aufnahmen mit den vier prämierten Liedduos aus den beiden Schlusskonzerten beim kleinen, aber feinen französischen Label b-records erschienen.
Dabei handelt es sich keineswegs um «Ombres chimériques» (trügerische Schatten), wie es der CD-Titel in Anspielung auf Faurés letzten Liedzyklus «L’Horizon chimériques» suggeriert, sondern um hoffnungsvolle Lichter, die diese jungen Künstlerinnen und Künstler den Hörern gleichsam «aufstecken». Ausgezeichnet wurden die beiden Mezzosopranistinnen Florence Losseau und Anne-Lise Polchlopek sowie die Baritone Gregory Feldmann und Liviu Holender; sie präsentieren ein gemischtes deutsch-französisches Programm voller Überraschungen.
Am weitesten in unbekanntes Terrain wagt sich Feldmann mit vier Stücken aus dem «Liederbuch des Hafis» des 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Viktor Ullmann – gleichermaßen grotesk-ironische wie schwungvolle Vertonungen von Nachdichtungen des durch Mahlers «Lied von der Erde» bekannt ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweikert
Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält...
Liebe, so hat es Stendhal einmal sehr schön notiert, beginne mit gegenseitiger Verwunderung, mit jenem augenblickshaften Erstaunen der darin Verwickelten, das die Existenz des anderen für kaum möglich gehalten hätte. Doch war sich Marie-Henri Beyle darüber im Klaren, dass es verschiedene Formen der Liebe gibt. Er selbst unterschied vier Arten: Liebe aus...
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um...
