Viel Licht
Dame Felicity Lott und der Pianist Sebastian Wybrew waren die Tutoren der Liedkurse, die die Académie Orsay-Royaumont im Winter 2021/22 in der ehemaligen Abtei Royaumont abhielt. Wie in den Jahren zuvor sind auch diesmal wieder Aufnahmen mit den vier prämierten Liedduos aus den beiden Schlusskonzerten beim kleinen, aber feinen französischen Label b-records erschienen.
Dabei handelt es sich keineswegs um «Ombres chimériques» (trügerische Schatten), wie es der CD-Titel in Anspielung auf Faurés letzten Liedzyklus «L’Horizon chimériques» suggeriert, sondern um hoffnungsvolle Lichter, die diese jungen Künstlerinnen und Künstler den Hörern gleichsam «aufstecken». Ausgezeichnet wurden die beiden Mezzosopranistinnen Florence Losseau und Anne-Lise Polchlopek sowie die Baritone Gregory Feldmann und Liviu Holender; sie präsentieren ein gemischtes deutsch-französisches Programm voller Überraschungen.
Am weitesten in unbekanntes Terrain wagt sich Feldmann mit vier Stücken aus dem «Liederbuch des Hafis» des 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Viktor Ullmann – gleichermaßen grotesk-ironische wie schwungvolle Vertonungen von Nachdichtungen des durch Mahlers «Lied von der Erde» bekannt ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweikert
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde,...
Francesco Sacrati? War da nicht etwas? Der frühbarocke Opernkomponist galt neben seinem Kollegen Benedetto Ferrari lange als heißer Kandidat für den Einschub des Duetts «Pur ti miro», mit dem sich am Ende von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» das amoralische Paar Poppea/Nerone in den siebten Liebeshimmel hineinsingt. Die Quellen sprechen für Ferrari. Hörer...
