CD des Monats: Namenlose Freude
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um Beethovens einzige Oper unter einen Hut zu bekommen. Und das nicht nur aus gattungstechnischen Gründen.
Allein das Libretto von Joseph Sonnleithner, eine Umformung und Transkription von Jean-Nicolas Bouillys Schauspiel «Leonore», zeichnete zahllosen Regisseurinnen und Regisseuren tiefe Furchen in die Stirn.
Eigentlich aber ist es ganz leicht. Es genügt, Striche vorzunehmen, die einerseits die Geschichte nicht aus den Angeln heben, andererseits aber die riesigen Luftlöcher, die zwischen den Arien, Duetten, Terzetten, Chorsätzen und den beiden grandiosen Quartetten klaffen, klug zu schließen imstande sind. So geschehen in der jetzt bei Pentatone erschienenen Studioproduktion aus Dresdens Kulturpalast, die unter gar wunderlichen (oder sollte man sagen: wunderbaren?) Umständen realisiert wurde. Ein anberaumter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 31
von Jan Verheyen
Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält...
Liebe, so hat es Stendhal einmal sehr schön notiert, beginne mit gegenseitiger Verwunderung, mit jenem augenblickshaften Erstaunen der darin Verwickelten, das die Existenz des anderen für kaum möglich gehalten hätte. Doch war sich Marie-Henri Beyle darüber im Klaren, dass es verschiedene Formen der Liebe gibt. Er selbst unterschied vier Arten: Liebe aus...
Alpha
06.11. – 21:45 Uhr
Leonidas Kavakos spielt Beethoven Leonidas Kavakos gehört zur Weltspitze der Violinisten. Man rühmt seine makellose Technik, sein tiefgründiges musikalisches Verständnis, seine einzigartige Klangqualität und sein höchst virtuoses Spielniveau. Der vielfach gefragte italienische Pianist Enrico Pace teilt mit Kavakos, neben seiner Arbeit mit...
