Kammerblues

Tschaikowsky: Pique Dame BRÜSSEL | THÉÂTRE LA MONNAIE

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Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält sich die Ohren zu.

Es ist ja auch nicht zum Aushalten, und der schwule Tschaikowsky, vom homophoben Kriegsherrn dieser Tage absurderweise als Geisel einer nationalistisch «russischen» Kultur genommen, hätte die Eingangsszene mit Blick auf «Russia Today» sicher anders gefasst, er dachte dabei eher an eine Kinderchor-Couleur wie in «Carmen». Womöglich gehört diese Eingangsszene zu den Revisionen, die der ungarische Regisseur David Marton an seinem Konzept für die neue «Pique Dame» an der Brüsseler Monnaie vorgenommen hat, nachdem die Inszenierung erst dem Frühjahrs-Lockdown 2020 zum Opfer gefallen war und das Stück zur Eröffnung der Saison 2022/2023 jetzt in einer anderen Welt spielt. 

Das triste Setting eines Betontreppenhauses in einem Wohnblock irgendwo im Osten, das Christian Friedländer gebaut hat, war aber bestimmt ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Holger Noltze

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