Viel Lärm um nichts
Krass auseinanderdriftende Premierenkritiken, heftige Publikumsreaktionen noch in der dritten Vorstellung: Den Titel der «umstrittensten Produktion der Saison» dürfte die Komische Oper für ihren neuen «Fidelio» sicher haben. Nach den letzten, erschreckend belanglosen Premieren («Don Pasquale», «Orlando») kann man das immerhin als Lebenszeichen werten – ob der Beethoven-Dekonstruktionsversuch Benedikt von Peters ein ähnlicher Schock-Hit wird wie seinerzeit Calixto Bieitos «Entführung», darf allerdings bezweifelt werden. Denn dazu ist der Abend schlichtweg zu langweilig.
Was nicht einmal an von Peters Konzept liegt: Zwar kommt einem die Idee eines Theaters, dessen Requisiten und Kostüme mitsamt seiner humanistischen Ideale von der schnöden Gegenwart erst im Container entsorgt werden soll, sich dann aber doch als überlebenskräftig erweist, irgendwie bekannt vor (etwa von Peter Konwitschnys Grazer «Falstaff»), doch für ein so befrachtetes Stück wie «Fidelio» passt sie gar nicht schlecht. Und auch die Botschaft allumfassender Menschenliebe, die am Ende alle ideologischen Beschränkungen überwindet, macht als utopisches Destillat der Beethoven-Epoche Sinn. Dass es dennoch bei einer guten ...
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Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt. Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner...
«Utopie und Wahnsinn» lautet das Motto, unter das André Bücker seine erste Spielzeit als Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau (nach der langen Ägide Johannes Felsensteins) gestellt hat – ein Motto, das den Kern von Theater, auch Musiktheater, durchaus treffend umschreibt. Dass Bücker für seine erste eigene Regie am Haus «Die Stumme von Portici» von Daniel...
Als «Simon Boccanegra» 1857 zur Uraufführung kam, war Verdi seiner Zeit zu weit voraus, um beim Publikum und bei den Impresari punkten zu können. Das Fiasko in Venedig wollte er nicht auf sich sitzen lassen, und so arbeitete er das Werk – unter Verwendung zahlreicher dramaturgischer Eingriffe von Arrigo Boito – zu einer Art italienischem «Boris» um. Diese Version...
