Emotionale Kraftfelder
Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt.
Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner Version des «Catone in Utica» getan hat? Letzteres ist theoretisch leicht möglich, da die Textbücher erhalten geblieben sind und das Œuvre Vivaldis einen hinreichend großen Fundus von metrisch und atmosphärisch passender Musik für die jeweils passende Situation bereithält. Einen Fundus, der in den letzten Jahren noch einmal ein gutes Stück gewachsen ist. Das vor knapp zehn Jahren gestartete Mammut-Projekt, alle gut 450 in der Turiner Nationalbibliothek befindlichen Autografen auf CD einzuspielen, hat eine Vivaldi-Goldgräberstimmung in vielen Bibliotheken Europas ausgelöst, die immer wieder zu Neuentdeckungen führt: Kantaten, Konzerte oder auch mittlerweile über 50 Arien, die in den Sammelalben musikaffiner Aristokraten die Zeit überdauert haben.
Insoweit ist verständlich, dass sich Rinaldo Alessandrini bei seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die europäische Barockoper beruht auf einem eng begrenzten Stoffvorrat, den die Librettisten hauptsächlich der antiken Geschichte und Mythologie entnahmen. Vollends in die Bahnen der klassischen Überlieferung geriet das Musiktheater, als mit dem Seria-Modell der durch die Arkadier um 1700 in Gang gebrachten und durch den Wiener kaiserlichen Hofpoeten Pietro...
Ring»-müde? Gilt nicht für Rhein-Main. Viele Opernbühnen der Region planen den tetralogischen Kraftakt. Da werden wohl wieder beträchtliche Kapazitäten gebunden. Oder ist der monumentale Viererpack inzwischen das Normalmaß für theaterunternehmerischen Ehrgeiz? Die Zustimmung des Publikums scheint, woran ein Walter Legge noch nicht glauben wollte, absolut sicher. In...
«Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser Zarathustra? Ich glaube beinahe, unter die Symphonien» – schrieb Friedrich Nietzsche am 2. April 1883 an Peter Gast. Musik ist überall in den «subjektiven Ergüssen» (Giorgio Colli) des Philosophen und dilettierenden Komponisten anzutreffen. Franz Hummels neueste Oper, ein Auftragswerk für das Theater Regensburg, heißt...
