Emotionale Kraftfelder
Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt.
Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner Version des «Catone in Utica» getan hat? Letzteres ist theoretisch leicht möglich, da die Textbücher erhalten geblieben sind und das Œuvre Vivaldis einen hinreichend großen Fundus von metrisch und atmosphärisch passender Musik für die jeweils passende Situation bereithält. Einen Fundus, der in den letzten Jahren noch einmal ein gutes Stück gewachsen ist. Das vor knapp zehn Jahren gestartete Mammut-Projekt, alle gut 450 in der Turiner Nationalbibliothek befindlichen Autografen auf CD einzuspielen, hat eine Vivaldi-Goldgräberstimmung in vielen Bibliotheken Europas ausgelöst, die immer wieder zu Neuentdeckungen führt: Kantaten, Konzerte oder auch mittlerweile über 50 Arien, die in den Sammelalben musikaffiner Aristokraten die Zeit überdauert haben.
Insoweit ist verständlich, dass sich Rinaldo Alessandrini bei seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Verkettung einander ausschließender Emotionen gehört zu den Grundstrukturen der Operndramaturgie. Grétry und sein Librettist Louis-Guillaume Pitra haben für ihre 1780 an der Pariser Académie Royale de Musique uraufgeführte Oper auf Jean Racines Tragödie «Andromaque» zurückgegriffen. In diesem für die französische Klassik ungewöhnlich düsteren Stück geht es...
Met-Intendant Peter Gelb hat in der ersten von ihm komplett selbst gestalteten Saison viel Pech mit den Stars gehabt. Von acht Premieren sangen nur in drei alle dafür vorgesehenen Protagonisten. Zwei davon waren die auf Stimmglamour verzichtenden 20.-Jahrhundert-Werke, die letzte der Saison war eine Rossini-Rarität, gedacht als schimmernde Vokalrobe für «the...
Die Komische Oper Berlin macht es vor. Seit Beginn der Saison 2009/10 kann der Besucher an einem kleinen Videobildschirm zwischen deutschen und englischen Untertiteln wählen, eine Erweiterung auf zehn Sprachen ist in Planung. Was auf der einen Seite komfortabler Luxus für das internationale Publikum ist, stellt den fremdsprachigen Hörer auf der anderen Seite vor...
