Vexierbilder
Der Raum habe für sie etwas «Flirrendes, Zittriges», sagt Regisseurin Barbara Frey. Das ist zweifelsohne richtig. Doch da, wo einem in einem Vexierbild die Augen ineinander übergehen, kehrt gleichzeitig Starre ein. Insofern ist Bettina Meyers Bühnenbild für Mozarts «Le nozze di Figaro» am Theater Basel in jeder Hinsicht bemerkenswert: Mehrere sich ins Unendliche verjüngende Soffiten und Schenkel (also immer enger werdende Rahmen mit dunkelgrün-barocker Blätter-Ornamentik) markieren eine klassische Guckkastenbühne mit Zentralperspektive.
Das ist domestizierte Natur, ganz klar ins Zeitalter des Ancien Régime einzuordnen. Und die Verbindung von Flimmern und Statik.
Bei den Figuren verhält es sich anders. Bettina Walters Kostüme verweisen in eine unbestimmte Gegenwart, halten aber die Hierarchien aufrecht. Der Graf im edlen dunkelblauen Dreiteiler, Susanna gut gekleidet, aber eben doch seine Domestikin, oder sagen wir: Angestellte im #MeToo-Verhältnis. Bei den Irrungen und Verwirrungen im Verlauf des tollen Tages verschwinden die Handelnden oft wie unter einer Folie: ob transparenter Zwischenvorhang oder Decke, unter die Cherubino im ersten Akt schlüpft, oder die Verkleidung ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick
Der Wanderer singt mit gespaltener Stimme, sein Gesang vervielfacht sich wie in einem Anfall von Schizophrenie. Anselm Dalferths Hörtheaterstück «The Cold Trip – Eine Winterreise» beginnt wie ein klassischer Liederabend, entwickelt sich jedoch bald zu einem verstörenden Streifzug durch wahnhafte Abgründe und vereiste Innenwelten. Das Stück verbindet den ersten...
Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss...
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...
