Vexierbilder
Der Raum habe für sie etwas «Flirrendes, Zittriges», sagt Regisseurin Barbara Frey. Das ist zweifelsohne richtig. Doch da, wo einem in einem Vexierbild die Augen ineinander übergehen, kehrt gleichzeitig Starre ein. Insofern ist Bettina Meyers Bühnenbild für Mozarts «Le nozze di Figaro» am Theater Basel in jeder Hinsicht bemerkenswert: Mehrere sich ins Unendliche verjüngende Soffiten und Schenkel (also immer enger werdende Rahmen mit dunkelgrün-barocker Blätter-Ornamentik) markieren eine klassische Guckkastenbühne mit Zentralperspektive.
Das ist domestizierte Natur, ganz klar ins Zeitalter des Ancien Régime einzuordnen. Und die Verbindung von Flimmern und Statik.
Bei den Figuren verhält es sich anders. Bettina Walters Kostüme verweisen in eine unbestimmte Gegenwart, halten aber die Hierarchien aufrecht. Der Graf im edlen dunkelblauen Dreiteiler, Susanna gut gekleidet, aber eben doch seine Domestikin, oder sagen wir: Angestellte im #MeToo-Verhältnis. Bei den Irrungen und Verwirrungen im Verlauf des tollen Tages verschwinden die Handelnden oft wie unter einer Folie: ob transparenter Zwischenvorhang oder Decke, unter die Cherubino im ersten Akt schlüpft, oder die Verkleidung ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick
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Man mag es kaum glauben, dass hinter der trostlosen Fassade mit dem bröckligen Mauerwerk und den verwitterten Fensterrahmen einmal Musikgeschichte geschrieben wurde. Immerhin verkündet eine Gedenktafel, dass ein gewisser Rihards Vāgners zwischen 1837 und 1839 in dem Haus als Dirigent und Komponist tätig war und dass außerdem 1842 Ferenzs Lists, 1844 Klāra...
Was, wenn die Pariser Nationaloper zahlungsunfähig wird? Seit Ende letzten Jahres steuert der Riesentanker geradlinig auf diese Klippe zu. Zwischen dem Beginn des landesweiten Streiks gegen Frankreichs Rentenreform am 5. Dezember 2019 und Ende Januar wurden 76 Vorstellungen abgesagt. Allein im Dezember bezifferten sich die Verluste auf 14 Millionen Euro. Ob – und...
