Kräftig ausgestopft

Weinberger: Frühlingsstürme
BERLIN | KOMISCHE OPER

Die letzte Operette der Weimarer Republik – der Werbeslogan ist so richtig wie der Versuch, das erst verbotene und dann verschollene Stück endlich im Repertoire zu verankern. Die Berliner Uraufführung hatte unter Mitwirkung Richard Taubers am 20. Januar 1933 stattgefunden, nur wenige Tage darauf waren die Beteiligten ihres Lebens nicht mehr sicher.

Tauber, Jaromír Weinberger und der Librettist Gustav Beer konnten sich vor den Nazis retten, aber die «Frühlingsstürme» gingen im Orkan der Unmenschlichkeit unter, der fünf Jahre später auch über die Tschechoslowakei hereinbrach, Weinbergers Heimatland. Erhalten blieb ein gedruckter Klavierauszug, außerdem gibt es einige Schellack-Schnipsel mit Tauber.

Krieg als Handlungsfolie ist nicht selten in Operetten, aber hier geht es um ein konkretes historisches Ereignis, den russisch-japanischen Krieg von 1905. Er dient freilich nur als Vorwand für ein exotisches Bühnenkolorit, dem mittels Lampions, Drachen, Kirschblütenregen und echtem Feuerwerk ausgiebig gefrönt wird. Zwei Akte sind in der Mandschurei angesiedelt, der dritte in einem italienischen Hotel, wo man die Friedensverhandlungen führt und Gelegenheit zu virtuosen Slapsticks in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Im Gewächshaus

Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar...

Hommage an eine sterblich Getriebene

Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt,...

Unter der großen Sonne

Der König und seine Entourage waren not amused. Hatte Philippe Quinault im Textbuch für «Isis», die sechste tragédie en musique des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, nicht – kaum verhüllt – das Liebesleben des «Roi Soleil» porträtiert? Wer mit den Usancen des französischen Regenten halbwegs vertraut war, erkannte sofort frappierende Parallelen zwischen Juno, der...