Kräftig ausgestopft
Die letzte Operette der Weimarer Republik – der Werbeslogan ist so richtig wie der Versuch, das erst verbotene und dann verschollene Stück endlich im Repertoire zu verankern. Die Berliner Uraufführung hatte unter Mitwirkung Richard Taubers am 20. Januar 1933 stattgefunden, nur wenige Tage darauf waren die Beteiligten ihres Lebens nicht mehr sicher.
Tauber, Jaromír Weinberger und der Librettist Gustav Beer konnten sich vor den Nazis retten, aber die «Frühlingsstürme» gingen im Orkan der Unmenschlichkeit unter, der fünf Jahre später auch über die Tschechoslowakei hereinbrach, Weinbergers Heimatland. Erhalten blieb ein gedruckter Klavierauszug, außerdem gibt es einige Schellack-Schnipsel mit Tauber.
Krieg als Handlungsfolie ist nicht selten in Operetten, aber hier geht es um ein konkretes historisches Ereignis, den russisch-japanischen Krieg von 1905. Er dient freilich nur als Vorwand für ein exotisches Bühnenkolorit, dem mittels Lampions, Drachen, Kirschblütenregen und echtem Feuerwerk ausgiebig gefrönt wird. Zwei Akte sind in der Mandschurei angesiedelt, der dritte in einem italienischen Hotel, wo man die Friedensverhandlungen führt und Gelegenheit zu virtuosen Slapsticks in der ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Volker Tarnow
Uraufgeführt wurde die fünfte Oper des irischen Komponisten Gerald Barry 2016 in Los Angeles konzertant; im selben Jahr kam sie ans Londoner Barbican Center. Das Royal Opera House präsentierte «Alice’s Adventures Under Ground» nun erstmals szenisch, mehrmals täglich und in wechselnder Besetzung, beginnend mit Matineen an Londoner Schulen: eine vorzügliche Idee für...
Erich Wolfgang Korngold war 18 Jahre alt, als er mit «Violanta» seine erste ernste Oper abschloss, die 1916 in dichtem Abstand in München und Wien zu ihren ersten Aufführungen kam. Das vielleicht Verblüffendste an einer leider immer noch selten möglichen Begegnung mit dem Werk ist, dass man ihm das überhaupt nicht anmerkt. Dabei gibt es im Text wie in der Musik...
War es wirklich eine Überraschung, was da Ende Januar aus der sächsischen Landeshauptstadt an die Öffentlichkeit drang? Der Verein, der den seit 2006 jedes Jahr in Dresden veranstalteten Semper-Opernball organisiert, hatte den durch einen Staatsstreich an die Macht gekommenen ägyptischen Despoten Abdel Fattah El-Sisi für seine Verdienste als «Hoffnungsträger und...
