Verzappelt
Mit dem «Ring» ist es eine vertrackte Sache. Sieht man die vier Teile rasch hintereinander, setzt man sich nicht nur zeitlich einem Marathon aus, auch auf der Bühne wird zuweilen stimmlich und logistisch mit den Anforderungen gekämpft. Also gibt es an vielen Häusern oft große Pausen zwischen den einzelnen Stücken, um dann das Endergebnis als Zyklus zu präsentieren. Da lässt sich etwa manch «Rheingold»-Schnitzer vielleicht noch ausbügeln ...
In Bern ist alles anders. Dort war von Anfang an klar, dass die Tetralogie nicht zyklisch gezeigt wird.
Das ist Fluch und Segen zugleich, denn weder Regieteam noch Publikum muss sich zwangsläufig an einen roten (Erinnerungs-)Faden halten. Die Erinnerung an «Rheingold» und «Walküre» indes ist noch recht frisch, was vor allem an der stupenden Zusammenarbeit von Regisseurin Ewelina Marciniak mit der Choreographin Dominika Knapik und dem Dramaturgen Miron Hakenbeck liegt. Da wurde manches klar, fast überdeutlich erzählt, aber ergänzt durch eigene, oft virtuos getanzte Szenen und Szenerien. Verdopplungen, Spiegelungen der Hauptfiguren gab es, jedoch auch wilde Assoziationen, schräge Bildideen – einer ganz eigenen Logik folgend. Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Jörn Florian Fuchs
Sie habe das Stück «von einem eher langsamen Märchen in einen rasanten und brutalen Thriller verwandelt», schickt die Regisseurin ihrer Inszenierung voraus. Katie Mitchell hat also das Märchen gestrichen. Es wird nicht durch die Luft geflogen, es gibt keine prächtig bedeutungsgeladenen Traum-Architekturen; nur dass Keikobads Leute Wolfsoder Vogelköpfe tragen, ist...
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael...
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an,...
