Im Seelenkäfig

Venables: 4.48 Psychose MAINZ | STAATSTHEATER

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Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat daraus eine Kammeroper gemacht, die 2016 an der Royal Opera in London uraufgeführt wurde.

In der deutschen Textfassung von Durs Grünbein wurde das Stück bereits in Dresden gezeigt und kam nun in einer Inszenierung von Rahel Thiel auch am Staatstheater Mainz auf die Bühne.

Beim Eintreten in den Zuschauersaal wird das Publikum von einer seicht dahinplätschernden Wartezimmermusik empfangen. Die Bühne erinnert an einen Warteraum in einem Flughafen oder einer Klinik. Durch schwarze Gaze blickt man in einen aseptisch kalten, hermetisch abgeschirmten und von Kameras überwachten Seelenkäfig. Dahinter ist das Orchester platziert. In roten Buchstaben leuchtet das Wort «EXIT» von der Bühnenwand. Doch einen Ausgang gibt es nicht. Keine Tür, keine Öffnung, kein Entkommen. Mit diesem symbolträchtigen Setting ist von Beginn an alles ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Silvia Adler

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