Glückskind
Nicht Welten trafen im März 2016 in München aufeinander, eher Galaxien. Mahlers «Lied von der Erde» im Nationaltheater: Das war ein Grand mit drei Buben. Drei (durchaus sympathische) Streber standen da einem gegenüber, die auch ohne Hausaufgaben das Klassenziel erreichten, weil ihnen offenbar alles in den Schoß fiel. Hier Kirill Petrenko, der penible Abschmecker, und Christian Gerhaher, der noch in der Sekunde des Singens seine Partie zu hinterfragen schien.
Und dort Peter Seiffert, der werkgemäß bacchantische, seine Tenorklänge gern verschenkende, 62-jährige große Junge.
Ein Instinktsänger im besten Sinne. Nichts zu tun hat das mit einem Künstler, der sich irgendwie durchwurstelt: Dieser Mann machte aus einem Gefühl für den dramatischen Augenblick (und für das technische Know-how) alles richtig. Seiffert war keiner, der seine Kunst grübelnd auf die Goldwaage legte – trotzdem produzierte er an jedem Abend sängerisches Edelmetall. Fritz Wunderlich war Peter Seiffert da ein Verwandter, heute ist es vielleicht Michael Volle. Weniger das intellektuelle Vermögen steht bei einer solchen Einordnung im Vordergrund, sondern das ganz natürlich verankerte Wissen um Kunst und Mensch – und ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Markus Thiel
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arte
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