Verstolpert
Der 1813 entstandene «Faust» von Louis Spohr gehört zu den mehr gerühmten als wirklich bekannten, gar aufgeführten Hauptwerken der deutschen romantischen Oper; ja, er markiert, zusammen mit der «Undine» des Dichterkomponisten E.T.A. Hoffmann, recht eigentlich deren Beginn. An Goethe und die spätere musikalische «Faust»-Metaphysik des 19. Jahrhunderts darf man nicht denken. Bei Spohr und seinem Librettisten Joseph Carl Bernard geht es simpler, derber zu.
Ihr Faust ist kein Gelehrter, sondern ein zwischen zwei Frauen, dem Bürgermädchen Röschen und der adligen Kunigunde, hin- und hergerissener Abenteurer; ihr Mephistopheles kein intellektueller Verführer, sondern der Teufel des Volksbuchs, der sein Opfer am Ende triumphierend in die Hölle hinabzieht. So holzgeschnitzt wie die Story ist Spohrs Musik, trotz ihrer unüberhörbaren dramatischen Schwächen, keinesfalls. Aber selbst die 1852 für London vom Singspiel durch neue orchesterbegleitete Rezitative zur großen Oper erweiterte, jetzt in Koblenz gespielte Fassung kann ihre Herkunft aus dem Wiener Volkstheater nicht verleugnen.
Just aufs Volkstümelnde aber hat sich Regisseur Michiel Dijkema in Koblenz versteift – ohne Rücksicht auf ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Uwe Schweikert
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