Unerlöst und doch frei
Nein, diese Senta träumt nicht. Diese Senta ist ein Trotzkopf, stets im Hier und Jetzt. Ein Wimmelkind, das sich nicht bändigen lässt, weil es seinen eigenen Willen hat und den, zur Not wider jede Vernunft, durchsetzt. Schon als kleines Mädchen.
Kaum ist der erste Sturm durch die Ouvertüre gebraust, kaum strömt das tannhäuserhafte F-Dur-Andante mit dem schwerelosen Englischhorn-Solo durch den Saal, öffnet sich das schwarze Sesam-Ungetüm, das Christof Hetzer auf die Bühne der Oper Malmö gewuchtet hat, und gibt den Blick frei auf ein hübsches, aber nicht eben inspiriert eingerichtetes Kinderzimmer. Klein-Senta im weißen Engelskleid, es wird noch wichtig werden an diesem Abend. Sie spielt. Als sie Stimmen hört (aus dem Orchester), eilt sie zum Fenster und schaut hinaus in die schwarze Nacht. Da draußen, da ist etwas, das sie sucht. Sie weiß nur noch nicht, was es ist. Aber sie ahnt es.
Wenige Minuten später ein ähnliches Bild, noch immer befinden wir uns in der Ouvertüre. Jetzt sind es Klarinette und Fagott, die, piano espressivo, Sentas Sehnsucht beschreiben, die zugleich die Sehnsucht des Fliegenden Holländers ist, ohne festen (harmonischen) Boden, zusammengesetzt aus lauter ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
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