Der gelenkte Blick
Ein Montagmorgen um zehn Uhr. Vor dem Künstlereingang der Oper an Covent Garden herrscht geschäftiges Treiben. Der imposante Bau summt wie ein Bienenstock, hinter der Bühne herrscht nüchterne Funktionalität, alles wirkt ein bisschen abgewetzt. Nichts ist hier zu ahnen von der samtroten, goldverzierten Gediegenheit des Zuschauerraums und der Foyers, in denen das Publikum am Vorabend die Londoner Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame» stürmisch gefeiert hat.
Regisseur Stefan Herheim, eines der Zugpferde des internationalen Musiktheaterbetriebs, deutet die Schauergeschichte konsequent aus der Sicht des Komponisten. Ein für das eher gesetzte Publikum in der englischen Hauptstadt gewagter Coup. Aber die Produktion kommt gut an. Auch weil die Zuschauer prachtvolle Totalen mit eleganten, opulenten historischen Kostümen zu sehen bekommen und eine erlesene Sängerschar unter der furiosen Stabführung des Musikchefs Antonio Pappano zu großer Form aufläuft. Herheims analytische Deutung in sinnlichen Bildern scheint also wie gemacht fürs Kino, die süffige Optik wie geschaffen für ein Medium, das mit Kargheit wenig anzufangen weiß. Allerdings geht nicht gleich die Premiere via Satellit in die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2019
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Regine Müller
Die Handlung spielt in Paris, doch wäre sie nicht besser im flämischen Antwerpen, der Stadt der Juweliere und Diamantenveredler, verortet? Immerhin ist Paul Hindemiths «Cardillac», die Geschichte vom Goldschmied, der seine Produkte zwar verkauft, seine Kunden aber dann meuchlings ermordet, um sich die Kunstwerke zurückholen und allein an ihnen delektieren zu...
Man kennt das aus der Wirtschaft: Der Patriarch kann sich nicht aus seiner Führungsposition lösen, hält jeden, der Ideen für die Zukunft der Firma entwickelt, für inkompetent – und treibt damit letztlich das Familienunternehmen in den Ruin. So führt sich derzeit auch Siegfried Matthus auf, der zu DDR-Zeiten hoch geschätzte Komponist, der kurz nach der Wende die...
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
