Der gelenkte Blick
Ein Montagmorgen um zehn Uhr. Vor dem Künstlereingang der Oper an Covent Garden herrscht geschäftiges Treiben. Der imposante Bau summt wie ein Bienenstock, hinter der Bühne herrscht nüchterne Funktionalität, alles wirkt ein bisschen abgewetzt. Nichts ist hier zu ahnen von der samtroten, goldverzierten Gediegenheit des Zuschauerraums und der Foyers, in denen das Publikum am Vorabend die Londoner Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame» stürmisch gefeiert hat.
Regisseur Stefan Herheim, eines der Zugpferde des internationalen Musiktheaterbetriebs, deutet die Schauergeschichte konsequent aus der Sicht des Komponisten. Ein für das eher gesetzte Publikum in der englischen Hauptstadt gewagter Coup. Aber die Produktion kommt gut an. Auch weil die Zuschauer prachtvolle Totalen mit eleganten, opulenten historischen Kostümen zu sehen bekommen und eine erlesene Sängerschar unter der furiosen Stabführung des Musikchefs Antonio Pappano zu großer Form aufläuft. Herheims analytische Deutung in sinnlichen Bildern scheint also wie gemacht fürs Kino, die süffige Optik wie geschaffen für ein Medium, das mit Kargheit wenig anzufangen weiß. Allerdings geht nicht gleich die Premiere via Satellit in die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Regine Müller
Ist Leoš Janáček ein spätromantischer Schwärmer in Verkleidung oder ein Modernist, der die Regungen seiner Protagonisten bei lebendigem Leibe seziert? Klingt sein Orchester schwelgerisch oder analytisch scharf? Einfache Antwort: beides. Aber das Einfache ist schwer zu erreichen. In Mainz gelingt es. Das Philharmonische Staatsorchester bietet den Glanz der...
Kurz nach der Uraufführung seines gemeinsam mit dem Komponisten Philip Glass entwickelten Kultstücks «Einstein on the Beach» im Juli 1976 stellte Robert Wilson rundheraus fest: «Verdi mache ich nie.» Nun ja. Ist doch der «Trovatore», den der texanische Theatermann jetzt in Bologna vorstellte – eine Koproduktion mit dem Verdi Festival in Parma –, inzwischen seine...
Zum Glück besitzt Rolando Villazón viele Talente. Seit er sich als Sänger immer mehr zurückziehen muss, lebt er diese umso stärker aus: Regisseur, Autor, Fernsehmoderator, Rollenmodell und Mozart-Botschafter. In Salzburg fügt er seinem Portfolio nun für fünf Jahre die Intendanz der seit 1956 jährlich rund um des Komponisten Geburtstag stattfindenden Mozartwoche...
