Global gedacht, lokal geerdet
Im Foyer hängen Girlanden schimmernder Metallornamente von der Decke. Was sich da kokett in jedem Luftzug dreht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Mobile des Tragischen: Man entdeckt Pistolen, gefrorene Tränen, Schusswunden. Nick Caves Installation «Until», 2016 bei Koproduktionspartner Massachussets Museum of Contemporary Art herausgekommen, ist als Denkmal für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt gedacht.
Die glänzenden Vorhänge bilden einen eindrucksvollen Kontrast zum harschen Stahl-, Beton- und Ziegelcharme der ehemaligen Bahnwartungshallen, die Sydney heute als Spielplatz für experimentelle Kunst dienen. Zum Portfolio der Carriageworks gehört seit 2014 auch die Sydney Chamber Opera. Die Kompanie hat sich Neuschöpfungen australischer Komponisten verschrieben, übernimmt aber auch die Aufgabe, dieselben im internationalen Kontext zu verankern – mit Werken von Leoš Janáček bis György Kurtág, von Benjamin Britten bis George Benjamin.
Im Rahmen des Sydney Festivals zeigte die SCO kurz nach der Jahreswende Kaija Saariahos «La Passion de Simone» (2006). Vom kalten Glitzern des Foyers findet sich im Saal keine Spur. Über der Bühne ist eine Schüttvorrichtung angebracht, ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Wiebke Roloff-Halsey
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
Anfang der 1890er-Jahre, als Mascagnis Überraschungs-Hit «Cavalleria rusticana» eine Verismo-Welle auslöste, auf der bald viele junge Tonsetzer erfolgreich mitschwammen, mag sich Jules Massenet in Paris gedacht haben: Na wartet, Bürschchen, euch zeige ich, wer der Meister aller Klassen ist! Und er hatte auch schon eine Interpretin zur Hand, die seinen Beitrag zur...
Am Ende ist alles nur noch musikalisches Zitat, Erinnerung. Und: totale Tristesse. Regungslos sitzt Mimì auf jenem Stuhl, der zuvor als Platz für Marcellos Aktmodelle diente, hockt da wie eine Statue. Die aber singt, und das wunderschön und zugleich höchst traurig. «Sono andati», das berühmte Schlusslamento, gerinnt in Nadja Mchantafs Diktion zu einem Bild...
