Verschrottet
«Ich bin von Waberlohe umgeben», ruft Donald Duck in der deutschen Übersetzung eines seiner Comic-Abenteuer. Wieland Wagner soll ja auch mal daran gedacht haben, dem «Ring» eine Disney-Ästhetik zu verpassen, legitimiert wohl vom Großvater und dessen Satz «Kinder, macht Neues». Freilich war Letzterer eigentlich eine Aufforderung an Komponistenkollegen, lieber Neues zu schaffen, als eigene Werke zu recyceln.
Wir wissen auch nicht, ob der Meister damit einverstanden gewesen wäre, die Sage vom Ahasverus der Meere im als «Hölle auf Erden» verrufenen Schiffs-Scrapyard von Chittagong zu verankern, wie es Àlex Ollé von La Fura dels Baus mit seiner Inszenierung des «Fliegenden Holländer» tat. Möglicherweise hätte Wagner dessen Konzept auch als das erkannt, was es wohl ist: eine der Originalität geschuldete Zwangsgeburt, die zum Hemmschuh wird.
Nach Lyon, Bergen, Sydney und Lille erreichte sie 2016 Madrid, wo sie aufgezeichnet wurde. Die Norweger sind zu Bangladeschi mutiert, die an Deck eines riesigen, peu à peu verschrotteten Schiffs leben, während der Holländer und seine Mannschaft, aus giftigem Schlamm geboren, als Zombies in dessen Innerem wesen. Der Lagerplatz, das «Ödland eines ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Gerhard Persché
Vielleicht lag’s an der Zueignung. Vielleicht hätten Hans Werner Henze und sein Librettist Ernst Schnabel ihr Oratorio volgare e militare nicht dem kurz zuvor ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara widmen sollen. Vielleicht wäre es genug der politischen (An-)Rede gewesen, sie hätten sich, wie dies jüngst dem österreichischen Schriftsteller Franzobel...
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts...
Auch wenn die Berliner Philharmoniker – im Gegensatz zu ihren Kollegen in Wien – nur selten Oper spielen, lagen die Noten von Wagners «Parsifal» immer wieder auf ihren Pulten.
Das hat damit zu tun, dass sich diese Musiker eigentlich nur zu Osterfestspielen in einen Orchestergraben setzen – lange in Salzburg, seit 2013 in Baden-Baden – und dass «Parsifal», einer...
