Wie klingt «Salome»?
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Faszinosum.
Allerdings hat sich der deutende Blick auf das ungeheuerliche Geschehen fundamental verschoben: Nicht mehr die (vielfach variierte) Männerfantasie der Femme fatale prägt die Rezeption, nicht der schöne Schauer, der voyeuristische Genuss erotisch-morbider Dekadenz, sondern ein Nachdenken über verdeckte Motive und Triebkräfte. Gleich drei Häuser haben sich nun erneut mit dem Salome-Komplex beschäftigt
Geht es auch ohne Richard Strauss? Als die große Schauspielerin Edith Clever an der Berliner Schaubühne «Elektra» von Hofmannsthal inszenierte und dabei selbst die Klytämnestra spielte, funktionierte das ganz ohne bruitistische Antikenbeschwörung. Das Stück war als Schauspiel längst fertig, bevor Strauss es musikalisch in Besitz nahm. Trotzdem wurde es von der Oper verdrängt. Das gilt auch für die «Salome» von ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 13
von Stephan Mösch
Die letzten Wochen habe ich in Glasgow verbracht, als Monsieur Triquet in «Eugen Onegin» an der Scottish Opera. Mein erster Tag ließ sich zunächst gut an. Ich fand den Dirigenten mit ein paar Korrepetitoren vor. Der Bass, der Gremin singt, war gerade fertig und am Aufbrechen; weil wir alte Freunde sind, gab es die obligatorischen Albernheiten und viel Gelächter.
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Gibt es eine «gelungene» sowjetische Oper nach 1945? Schwer zu sagen, was im Jahr 1959 vielleicht eine gewagte Satire war, die in der Periode von Tauwetter und Entstalinisierung ideologisch gepusht wurde, erscheint heute einem Bühnenmann und Regisseur wie Dominique Horwitz nur als fade Beschönigung der wirklichen Verhältnisse im Realsozialismus.
Die Rede ist von...
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
