Verpufft, verpasst
«Robert le diable» ist die erste der vier grand opéras von Giacomo Meyerbeer. Wer von der Aufführung an der Londoner Covent Garden Opera den Durchbruch dieses bei seiner Pariser Uraufführung 1831 sensationell erfolgreichen Werks für das heutige Repertoire erhofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht (siehe OW 2/2013). Zuvörderst, weil die Möglichkeiten, die die kritische Neuausgabe der Interpretation eröffnet, nicht genutzt wurden.
Mehr aber noch, weil der Regisseur Laurent Pelly das Geschehen des Ideendramas zwischen Himmel und Hölle – der Verführung durch die Macht und der Erlösung durch die Liebe – ganz auf die schauerromantischen Elemente des Stoffs reduziert und diese, vor allem im Bühnenbild und in den Massenszenen, auch noch ironisiert hatte.
Das fällt in der DVD-Aufzeichnung weniger ins Gewicht, weil sie den Blick des Zuschauers auf die Bühnentotale ohnehin stark zugunsten der Detailausschnitte zurückdrängt. Stattdessen befremdet die konventionelle Personenführung mit ihrer klischeehaften Gestik – Händeringen, Arme ausbreiten, in die Knie sinken –, die vor allem den beiden Frauenfiguren kaum Raum zur individuellen Entfaltung lässt. Isabelle (Patrizia Ciofi) bleibt eine ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...
Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen....
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel...
