Hohe Energiewerte
Drei Jahrzehnte waren ihr zunächst vergönnt. Beginnend mit der Uraufführung im April 1801 zur Eröffnung des Teatro Nuovo in Triest, dem heutigen Teatro Verdi, bis zu einer noch verbuchten Produktion in Palermo anno 1831. Dann sah es lange düster aus für «Ginevra di Scozia» von Simon Mayr. Für den dreistündigen Zweiakter bediente sich der bayrisch-italienische Belcantist (wie viele andere) bei Ariosts «Orlando furioso». Verhandelt wird weitgehend dasselbe wie in Händels «Ariodante» – Ausdruck der damaligen England-Begeisterung südlich der Alpen.
Mayr bewegt sich hier im Klangkreis Rossinis und führt einen zunächst auf die falsche Fährte. Ouvertüre und erste Nummern tönen nach Lustspiel und Wunschkonzert, weniger nach Tragödie. Doch dann wird es heroischer, großformatiger, vor allem innovativer. Musiziert werden muss das alles mit viel Biss, Brio und hohen Energiewerten – George Petrou ist dafür der Richtige. Eine von ihm dirigierte konzertante Aufführung, die nun auf CD vorliegt, macht plausibel, warum sich damals alle für «Ginevra di Scozia» begeisterten.
Verantwortlich ist wieder einmal die Ingolstädter Simon-Mayr-Gesellschaft, die mit dem Bayerischen Rundfunk in schöner ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Markus Thiel
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel...
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