Verplanscht
Die Bebilderung von Liedzyklen und Oratorien ist ein riskantes Unterfangen, sind doch die meisten Werke so komponiert, dass sie ohne szenische Zutaten auskommen. Nicht immer lässt sich daraus ein Mehrwert generieren, wie es der Pianist und amtierende Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, 2014 bei Franz Schuberts «Winterreise» geschafft hat, die er vom südafrikanischen Künstler William Kentridge mit animierten Bildern ausstatten ließ. Und siehe, Bild, Gesang (Matthias Goerne) und Musik verschmolzen zu einer Einheit.
Die findigen katalanischen Theatermacher von La Fura dels Baus, die seit einem Vierteljahrhundert mit ihrem Bühnenzauber die Opernwelt bereichern, nahmen sich nun eines der zentralen Werke der Oratorienliteratur vor: Haydns «Schöpfung». Die Produktion, die in Aix-en-Provence im März Premiere hatte, seither herumgereicht wurde und nun Ende Mai im Theater an der Wien Station machte, beweist vor allem eines: Der Versuch, sich diesem Werk szenisch zu nähern, kann buchstäblich zum Himmelfahrtskommando geraten.
Regisseur Carlus Padrissa zeigt die Weltwerdung in durchgängigem Schwarz-Weiß. Gewaltige Videoproprojektionen von computeranimierten Bildern ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Susanne Zobl
Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.
Zwisch...
Seien wir ehrlich. Bei einem Blindtest hätten viele von uns vermutlich falsch gelegen. Kaum jemand kennt das Stück, und auch mit Werden und Wirken seines Schöpfers sind nur Eingeweihte vertraut. Was betrüblich ist, allein wegen dieser einen Szene in Benjamin Godards «Les Guelfes» von 1882, Jeannes Vision. Ein Psychogramm der entflammten Frau, acht Minuten lang,...
Als die Bayerische Staatsoper in München vor wenigen Monaten Gioachino Rossinis «Semiramide» herausbrachte, suchten die Beteiligten diese als inhaltlich und psychologisch schlüssiges Werk zu behaupten – mit eher begrenztem Erfolg. Die Regisseurin Nicola Raab dagegen denkt in ihrer Regiearbeit in Nancy gar nicht daran, sondern zeigt die Oper als das, was sie ist:...
