Verpixelt
Einfach ein «fröhliches Schauspiel» sollteProkofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» nach Absicht ihres Schöpfers sein. Die scharfe Lauge der Musik spricht allerdings eine andere Sprache.
Allrounder Axel Ranisch hat in seiner Stuttgarter Inszenierung der absurden Meta-Oper aus Märchen und Groteske, Masken- und Zaubertheater, Commedia dell’arte und Offenbach’scher Bouffe, in der ein Prinz erst durch Lachen von seiner «hypochondriotischen Verschleimung» geheilt wird und sich dann in drei Orangen verlieben muss, noch eins drauf gegeben und das Spiel in die digitale Rastergrafik eines fiktiven, allerdings auch schon historischen Videospiels der frühen 1990er-Jahre getaucht.
Saskia Wunschs poppig-bunte Pixelbühne wird zum magischen Ort eines gestrandeten Wracks, dessen Schornstein (mit Kinderrutsche!) aus dem Boden ragt, während im Hintergrund Till Nowaks Computeranimationen die orangene Wüste in eine wirbelnde dystopische Fantasy-Welt verzaubern. Das Kartenspiel der streitenden Magier, Truffaldinos vergebliche Versuche, dem siechen Prinzen das Schlaraffenland vorzugaukeln oder die Verfolgungsjagden mit den Bösewichtern werden zu überdimensionalen Showeffekten, in denen die Fantasie ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis...
Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen....
Wie umgehen mit diesem heiklen Dramma serio per musica, das da 1791, in Mozarts Todesjahr, noch rasch als «Krönungsoper» für Leopold II. – ein Auftrag aus Prag – erledigt werden wollte? Pietro Metastasios vielfach erprobtes Sujet war vorgegeben. Der römische Kaiser Titus, beileibe kein mildtätiger Herrscher, lässt nach Liebesintrige und Mordkomplott Gnade vor...
