Verpixelt

Prokofjew: Die Liebe zu drei Orangen
Stuttgart | Oper

Opernwelt - Logo

Einfach ein «fröhliches Schauspiel» sollteProkofjews  «Die Liebe zu den drei Orangen» nach Absicht ihres Schöpfers sein. Die scharfe Lauge der Musik spricht allerdings eine andere Sprache.

Allrounder Axel Ranisch hat in seiner Stuttgarter Inszenierung der absurden Meta-Oper aus Märchen und Groteske, Masken- und Zaubertheater, Commedia dell’arte und Offenbach’scher Bouffe, in der ein Prinz erst durch Lachen von seiner «hypochondriotischen Verschleimung» geheilt wird und sich dann in drei Orangen verlieben muss, noch eins drauf gegeben und das Spiel in die digitale Rastergrafik eines fiktiven, allerdings auch schon historischen Videospiels der frühen 1990er-Jahre getaucht.

Saskia Wunschs poppig-bunte Pixelbühne wird zum magischen Ort eines gestrandeten Wracks, dessen Schornstein (mit Kinderrutsche!) aus dem Boden ragt, während im Hintergrund Till Nowaks Computeranimationen die orangene Wüste in eine wirbelnde dystopische Fantasy-Welt verzaubern. Das Kartenspiel der streitenden Magier, Truffaldinos vergebliche Versuche, dem siechen Prinzen das Schlaraffenland vorzugaukeln oder die Verfolgungsjagden mit den Bösewichtern werden zu überdimensionalen Showeffekten, in denen die Fantasie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Erstaufführung

Der Urknall geht auf das Jahr 2000 zurück. Damals entstand im Coffeeshop des Wharf Theatre in Sydney die Idee, eine auf Werke des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierte Opernkompanie ins Leben zu rufen. Die Akteure: der musikbegeisterte Unternehmer Ken Nielsen und ein paar engagierte junge Musiker – darunter die heutige Geschäftsführerin der Pinchgut Opera,...

Zu kurz gedacht

Ach ja, die Liebe. Eine haarige Angelegenheit, heute mehr denn je. Die allesverschlingenden Märkte haben auch diese schönste Hauptsache der Welt amalgamiert; Gefühle sind im Wesentlichen ersetzt durch Akkumulation von Kapital, welches sie, als materialistische Konstante, darstellen. Der Planet bevölkert von lauter entfremdeten Konsumaffen, deren einziges Bestreben...

Pauschalreise

Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis...