Bunter Junge
Der 1. Oktober 2013 war ein schwarzer Tag im Opernbetrieb der USA. An jenem Dienstag erklärten die Verantwortlichen der New York City Opera die Zahlungsunfähigkeit des Hauses und kündigten die Schließung an. Sieben Jahrzehnte waren damit Geschichte, zugleich war die Abwicklung krasses Sympton einer allgemeinen Krise. Wie die US-amerikanischen Symphonieorchester hatten und haben die Opernkompanien seit der Jahrtausendwende zunehmend Probleme, ein Publikum zu finden, anzusprechen und zu halten.
Damit einher geht die Schwierigkeit, Mäzene und Sponsoren für die beinahe ausschließlich private Finanzierung aufzutreiben.
Selbst das erste Haus im Lande, die New Yorker Met, muss kämpfen. Generalmanager Peter Gelb setzt auf mediale Verbreitung, recht erfolgreich: Die weltweiten Live-Übertragungen in Kinos und im Netz rechnen sich. Doch was nützt es, wenn das Riesenhaus unter der Woche oft nur zur Hälfte oder zwei Dritteln besetzt ist? Fehlen heute die Sängerstars, die jenseits des Atlantiks traditionell das Publikum locken? Liest man einen Beitrag, erschienen am 22. September 1985 in der «New York Times», glaubte sich Will Crutchfield schon damals mit allen Parteien einig, dass der ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Götz Thieme
Wie umgehen mit diesem heiklen Dramma serio per musica, das da 1791, in Mozarts Todesjahr, noch rasch als «Krönungsoper» für Leopold II. – ein Auftrag aus Prag – erledigt werden wollte? Pietro Metastasios vielfach erprobtes Sujet war vorgegeben. Der römische Kaiser Titus, beileibe kein mildtätiger Herrscher, lässt nach Liebesintrige und Mordkomplott Gnade vor...
Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis...
Die Zeit ist aus den Fugen. Schreckliches werde geschehen, greint Herodes, wobei die Honigschicht der Jovialität, um die er sich ohnehin zumeist vergeblich müht, endgültig abtropft. Es geht um seine Stieftochter Salome, die verzogene Göre mit erotischem Appeal, die für erwiesene Gunstleistungen, Tanz et cetera, partout den Kopf des eingekerkerten Propheten fordert....
