Verliebt in die Verpackung

Münchens Kulturpolitiker lieben die Verpackung, und mancher Theatermacher zieht nicht ungern mit

Opernwelt - Logo

«Die Kunst blüht, ist an der Herrschaft, streckt ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt.» Ein Paradies. Und exakt 108 Jahre her. Es war Thomas Mann in der Novelle «Gladius Dei», der damals so von der Isarstadt schwärmte. Sein Fazit: «München leuchtete», was zu einer fast gleichnamigen kommunalen Medaille, zu «München leuchtet» führte, mit der die Weißblauen ihre Besten schmücken.

Aber heute? München wetterleuchtet, so scheint es, verblühte Kunst und verdorrtes
Rosenzepter inklusive.

Die Personalien-Parade der letzten Monate lässt tatsächlich auf ein annus horribilis schließen: Christian Thielemann auf der Flucht von Münchens Philharmonikern zur Dresdner Staatskapelle, dazu der abservierte Gärtnerplatz-Intendant Ulrich Peters, ein von der Staatsoper weggeekelter Chefdirigent Kent Nagano, schließlich ein Opern-Intendant, Nikolaus Bachler, der sich am Nationaltheater nun als siegreicher Alleinherrscher fühlen kann. Seine Festspiele freilich hat er mit einem lauen «Tosca»-Aufguss eröffnet, und seine vollmundigen Ankündigungen halten bei Weitem nicht immer Schritt mit dem künstlerischen Ergebnis.

Leicht ließe sich das alles über einen Kamm scheren. Und Sündenböcke – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Bilanz, Seite 126
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Musik heißt: nachdenken

Herr Metzmacher, im Programmheft zur Salzburger Uraufführung von Wolfgang Rihms «Dionysos» beschreiben Sie Ihren ersten, vorsichtigen Kontakt mit der neuen Partitur. Wovor haben Sie in einer solchen Situation am meisten Angst?
Vor gar nichts. Ich bin nur neugierig. Im Falle von «Dionysos» kam die Partitur schubweise. Es war jedes Mal sehr spannend zu sehen, wie sich...

Die Ecke, nicht der große Kreis

Utopie Nummer 1: Ich träume von einer Zukunft, in der das System internationaler Koproduktionen, dieser ganze internationale Opern-Supermarkt zusammenbricht. Dann werden wir uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist: statt Allgemeingültigem etwas ganz Spezielles zu erschaffen, mit speziell ausgewählten Künstlern an einem speziell ausgewählten Ort für ein ganz...

Als Schaljapin, Caruso, Lotte Lehmann und Richard Tauber sangen...

Die Klage über die guten, alten Zeiten ist kaum weniger alt als die zum Bewußtsein ihrer selbst erwachte Menschheit. Ob bei den Verfassern der attischen Tragödie, ob in der Hochblüte römischer Lyrik eines Catull, ob in gelehrten Abhandlungen der Renaissance oder in den romantischen Gedichten eines Eichendorff: immer erhebt sich [...] die klagende Repräsentation der...