Verliebt in die Verpackung
«Die Kunst blüht, ist an der Herrschaft, streckt ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt.» Ein Paradies. Und exakt 108 Jahre her. Es war Thomas Mann in der Novelle «Gladius Dei», der damals so von der Isarstadt schwärmte. Sein Fazit: «München leuchtete», was zu einer fast gleichnamigen kommunalen Medaille, zu «München leuchtet» führte, mit der die Weißblauen ihre Besten schmücken.
Aber heute? München wetterleuchtet, so scheint es, verblühte Kunst und verdorrtes
Rosenzepter inklusive.
Die Personalien-Parade der letzten Monate lässt tatsächlich auf ein annus horribilis schließen: Christian Thielemann auf der Flucht von Münchens Philharmonikern zur Dresdner Staatskapelle, dazu der abservierte Gärtnerplatz-Intendant Ulrich Peters, ein von der Staatsoper weggeekelter Chefdirigent Kent Nagano, schließlich ein Opern-Intendant, Nikolaus Bachler, der sich am Nationaltheater nun als siegreicher Alleinherrscher fühlen kann. Seine Festspiele freilich hat er mit einem lauen «Tosca»-Aufguss eröffnet, und seine vollmundigen Ankündigungen halten bei Weitem nicht immer Schritt mit dem künstlerischen Ergebnis.
Leicht ließe sich das alles über einen Kamm scheren. Und Sündenböcke – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?
Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder totgespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher...
Herr Welser-Möst, neue Besen, sagt man, kehren gut. Nun haben Sie hier an der Wiener Staatsoper schon die letzten Jahre musikalisch mitgeprägt. Was könnte Ihrer Meinung dennoch besser werden?
Zunächst einmal hat diese Tätigkeit mir die Chance gegeben, das Haus sehr gut kennenzulernen. Natürlich, wie die Amerikaner sagen, «there’s always room for improvement»....
Sängerin und Sänger des Jahres 2010 sind Marlis Petersen und Christian Gerhaher. Zur Uraufführung des Jahres wurde Aribert Reimanns «Medea» gewählt, Dirigent des Jahres ist Ingo Metzmacher. Einen Überblick aller Gewinner in diesem Jahr finden Sie hier.
Ebenfalls in der aktuellen Ausgabe:
Wiener Welt:
Nach 19 Jahren ist die Ära Ioan Holender an der Wiener Staatsoper...
