Aus der Werkstatt
Herr Piernay, wie gerüstet muss ein Sänger sein, wenn er ins Konzert- und Opernleben einsteigt, und wie weit bekommt er dieses Rüstzeug in der Hochschule mit?
Junge Sänger wissen oft sehr wenig über die musikalische und technische Seite des Gesangs, wenn sie ihr Studium an einer Hochschule beginnen. Wenn ein Pianist an eine Hochschule will, muss er anspruchsvolles Repertoire spielen können, sonst wird er nicht aufgenommen. Der junge Instrumentalist hat vermutlich mit dem Klavierspielen angefangen, als er fünf war.
Aber Sänger, besonders Männer, die erst nach dem Stimmwechsel richtig anfangen können – wenn sie nicht aus Knabenchören kommen, was zwar musikalisch sehr bildend, aber gesangstechnisch problematisch sein kann –, wissen über das Singen oft gerade so viel, wie sie glauben, sich von Pavarotti-Aufnahmen abgehört zu haben. Deswegen kann es natürlich auch unter den relativ Begabten viele Fehlentwicklungen bereits vor Studienbeginn geben. Zu sagen, dass Anfängerunterricht weniger bedeutsam ist als der Unterricht im Hochschulstudium, ist ein schwerer Irrtum. Es gibt Privatlehrer, die da wirklich hervorragende Grundlagenarbeit leisten. Gesangsunterricht basiert immer bis zu einem ...
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Der Streit um Sinn oder Unsinn, vergessene Opern «auszugraben», ist so alt wie dieser Versuch selbst. Als das Nationaltheater Mannheim Carl Orff 1925 die Möglichkeit gab, Monteverdis «Orfeo» für das lebendige Theater zurückzugewinnen, war der Erfolg entmutigend. Zur Premiere waren zwar Musiker, Musikwissenschaftler, Intendanten und Spezialisten aus dem ganzen...
In diesen Tagen hätten die Proben zu «Metanoia» mit Christoph Schlingensief beginnen sollen. Christoph hinterlässt ein Vakuum. Er ist nicht ersetzbar. Das gilt für seine Person, aber auch für den Regisseur generell. Wir Sänger sind immer ersetzbar, auch kurzfristig. In den letzten Wochen habe ich bei den Bayreuther Festspielen sechsmal die Elsa gesungen – mit drei...
Memoiren seien die Zeitbomben des Pensionisten, sagte Henry Kissinger. Das mit dem Pensionisten trifft im Falle Ioan Holenders nicht ganz zu, denn der 75-Jährige ist als Berater großer Opernhäuser und Festivalleiter weiterhin im Geschäft. Darauf verweist auch der Titel seines neuen Buchs, das pünktlich zum Abschluss seiner Direktionsära erschien: «Ich bin noch...
