Die Dinge reifen lassen
Die Grundfrage für jeden Künstler lautet: Was muss ich tun, um in den Aufführungen höchste Qualität zu erreichen? Was kann ich tun, um diese Qualität zu halten oder sogar zu steigern? Die Erfahrung zeigt, dass jeder diese Frage für sich anders beantwortet. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ständig in der Welt unterwegs sein müssen, um Bestleistungen zu bringen. Und es gibt andere, die den Reisezirkus als Belastung empfinden – auch wenn nur wenige das offen zugeben.
Wie immer man sich entscheidet – man sollte die Verantwortung nicht auf andere schieben.
In der Kunst ist es wie im Leben, wenn man sich zu viel vornimmt – letztlich ist man selbst schuld daran und muss für die Folgen geradestehen. Wenn Sängerinnen oder Sänger zu viel singen, bekommen sie irgendwann Probleme mit der Stimme. Wir kennen diese Beispiele.
Bei Dirigenten ist das ein bisschen anders. Und doch auch wieder nicht. Wer von Anfang an in der Welt herumfährt, ist vielleicht nie durch die Schule des Stadttheaters gegangen und hat dort nie das Handwerk des Kapellmeisters kennengelernt. Ein Dirigent ist zunächst einmal Handwerker. Und dieses Handwerk muss er lernen. Wo könnte er das besser tun als in den kleineren ...
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In einem Darmstädter Vortrag von 1961 dachte Theodor W. Adorno darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: «Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.» Das konnte, über alle Sentenzhaftigkeit hinaus, konkret auf die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre bezogen werden. Und es hatte weitreichende Folgen. In der Oper bedeutete der...
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich...
In diesen Tagen hätten die Proben zu «Metanoia» mit Christoph Schlingensief beginnen sollen. Christoph hinterlässt ein Vakuum. Er ist nicht ersetzbar. Das gilt für seine Person, aber auch für den Regisseur generell. Wir Sänger sind immer ersetzbar, auch kurzfristig. In den letzten Wochen habe ich bei den Bayreuther Festspielen sechsmal die Elsa gesungen – mit drei...
