Musik heißt: nachdenken
Herr Metzmacher, im Programmheft zur Salzburger Uraufführung von Wolfgang Rihms «Dionysos» beschreiben Sie Ihren ersten, vorsichtigen Kontakt mit der neuen Partitur. Wovor haben Sie in einer solchen Situation am meisten Angst?
Vor gar nichts. Ich bin nur neugierig. Im Falle von «Dionysos» kam die Partitur schubweise. Es war jedes Mal sehr spannend zu sehen, wie sich das Werk fortentwickelt. Die Tatsache, dass die Oper erst rund zwei Monate vor der Premiere fertig komponiert war, gehörte für mich zu den besonders tollen Erfahrungen.
Das hat alle die auf Trab gebracht, die sonst immer vier, fünf Jahre vorher schon alles wissen (lacht). Diese Art von Planung halte ich oft für problematisch. Sie hat die Betriebe behäbig und unspontan gemacht. Wenn ich könnte, würde ich einmal pro Jahr eine Premiere herausbringen, bei der nicht klar ist, was das für ein Stück wird. Es müsste viel kurzfristiger entschieden werden, es könnten mehr aktuelle Bezüge hergestellt werden, das Publikum würde echte Überraschungen erleben.
Genießt man bei einer Uraufführung die totale Freiheit? Oder ist man gehemmt, weil man ohne Tradition auskommen muss?
Ich versuche immer, ob Moderne oder älteres Werk, eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christoph!!
«Kein Bock auf Himmel! Ich will noch hierbleiben»,
hast du immer und immer wieder beschwörend gerufen.
Und du hast Recht behalten.
Du bleibst hier!
Auch wenn du einen gemeinen, ungleichen Kampf, der nicht zu gewinnen ist,
jetzt verloren hast.
Du bleibst hier.
Obwohl, wenn man sich ansieht, was die da oben mit ihrer Vorsehung treiben,
haben die dich...
Mode im Foyer
Neuer Stil in der Herren-Mode und ein ernstzunehmender Vorschlag über ein so genanntes «ever-jacket» – das also auch im Theater getragen werden sollte –, ermutigen mich, an dieser Stelle wieder – wie im Januar – die Herren-Mode im Foyer zu besprechen. Damit erledigen sich die mir zugegangenen Anfragen über die Preise allzu kostspieliger Garderobe fürs...
Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss...
