Vergiftetes Licht
In Glasgow lässt sich der Frühling bitten. Zwar sprießen auch hier Narzissenbüschel, doch das helle Grün spart die nassen Wiesen aus, zögert vor Büschen und Bäumen.
Den Kragen hochgeschlagen gegen Regenfäden, flüchten wir ins hellerleuchtete Theatre Royal, wo die Scottish Opera als Kontrapunkt zu Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» eine Uraufführung zeigt: Lliam Paterson, seit 2014 Composer in Residence, musste der Kompanie bislang in kleineren Arbeiten seinen Wert beweisen – mit Szenchen für Opernhits-Tourneen oder einer Fanfare zur Einweihung der gelifteten Foyers; gerade schreibt er an einem Stück für Krabbelkinder. «The 8th Door» ist der Vertrauensbeweis für einen 25-Jährigen.
Auf der Bühne platzieren sich ein Mann und eine Frau. Die Schauspieler Elicia Daly und Robert Jack wenden uns den Rücken zu, ihre Mienen sehen wir auf einer Leinwand. Großaufnahmen zielen auf Kleinstregungen: ein Beben im Mundwinkel, das Kräuseln zarter Krähenfüße –Gesichtsmuskel-Zwiegespräche. Unterdessen bleiben die sechs Vokalisten in den Graben verbannt: Schade, dass ihre Stimmen, die mal solistisch, oft im Ensemble zum Zuge kommen, dort verstärkt werden müssen.
Die Partitur hat sieben musikalisch ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
Liebhabern der Barockoper ist Carl Heinrich Graun kein Unbekannter. Seine Montezuma-Oper liegt seit vielen Jahren als Einspielung vor und hat mehrere Inszenierungen erlebt; für die Staatsoper Unter den Linden grub René Jacobs 1992 «Cleopatra e Cesare» aus, jene Oper, mit der das Haus 250 Jahre zuvor eröffnet worden war. Doch wer kennt schon Musik aus Grauns...
Er hat der Nachwelt 18 Opern hinterlassen und die Bayreuther Festspiele 24 Jahre lang geleitet, von 1906 bis zu seinem Tod 1930. Wie aber dachte Siegfried Wagner politisch, was war er für eine Persönlichkeit? So lange der Familienclan seine Privatkorrespondenz unter Verschluss hält, sind die Wissenschaftler weitgehend auf Spekulationen angewiesen. 1973 hatte sich...
Mit Antonio Cestis «L’Orontea», einem Stück über die Liebesirrungen und -wirrungen rund um die titelgebende ägyptische Königin, hat die Frankfurter Oper 2015 eine der erfolgreichsten Opern des 17. Jahrhunderts auf die moderne Bühne geholt und große Resonanz bei Publikum wie Kritik gefunden (OW 3/2015). Dass die Begeisterung, die diese Aufführung auslöste, nicht vor...
