Aus der Distanz
Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln.
Wie erklärt sich die Zurückhaltung des Publikums, gerade in einer Wagner-Hochburg wie Berlin? Liegt es an den durchwachsenen Kritiken, die seit 2006 das groß angelegte «Ring»-Projekt des Orchesters in Aix-en-Provence und bei den Salzburger Osterfestspielen begleiten? Traut man dem Konzertorchester nicht zu, bis an jene emotionalen Grenzen vorstoßen zu können, die dieses Finale der Tetralogie so erschütternd machen?
Am 28. Mai, dem Abend des «Götterdämmerungs»-Querschnitts, sind dann zwar – den Hauptstadttouristen sei dank – alle Plätze in der Philharmonie besetzt, aber die Skeptiker behalten Recht. Wer bei dieser «Entdeckungsreise» (Rattle) ins Innere des Wagner’schen Musikdramas bisher das Mystisch-Abgründige vermisst hat, wird auch diesmal enttäuscht, vor allem, weil Rattle die Leitmotive nicht nutzt, um eine autonome orchestrale Erzählebene zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster...
Allzu viele Aufführungen von Hans Pfitzners musiktheatralischem Hauptwerk «Palestrina» gab es in den letzten Jahrzehnten nicht – und wohl überhaupt noch keine eines innovativ durchdringenden Szenikers. Das scheint erstaunlich, weil es sich um ein Schlüsselwerk an der Nahtstelle zwischen Wagner und der Moderne handelt. Und zudem um eine veritable, in vielerlei...
Warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Nach diesem Grundsatz scheint sich die Stadt Linz bei den Planungen für ein neues Opernhaus gerichtet zu haben. Dass am Ende dennoch alles gut und die Kapitale Oberösterreichs ein attraktives Gebäude für ihr Musiktheater bekommen wird, darf man jetzt erstmals ernstlich hoffen: Im April erfolgte endlich der erste...
