Verführer unter sich

Savonlinna | Opernfestival | Wagner: Lohengrin Mozart: Don Giovanni

Opernwelt - Logo

Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das Orchester einsetzt, kommt Elsa herbei und löst den Jungen ab. Einen Spielzeugritter hat sie dabei, damit das Publikum über ihre Wünsche nicht im Unklaren bleibt.

Ihre Widersacherin Ortrud gönnt sich derweil eine Zigarette, ganz Femme fatale.

Als der Schwan an der vom Komponisten vorgesehenen Stelle erscheint, ist von Lohengrin weit und breit nichts zu sehen. Vier Soldaten in Kampfuniform tragen einen Zwei-Meter-Vogel, auf dem zur Verdeut­lichung «Schwan» geschrieben steht, auf die Bühne, wo er den ganzen Abend über stehen wird. Einige Zeit darauf tritt auch Lohengrin (Richard Crawley) auf, mit dem es der Regisseur gar nicht gut meint. Statt eines strahlenden Helden muss er den manipulativen Volksverführer mimen, der zunächst mit der Gestik eines Hanussen alle Anwesenden zu hypnotisieren trachtet und dann bedingungslose ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Harald Steiner

Weitere Beiträge
Verführung mit Abstrichen

Aus dem Steinbruch von St. Margarethen nahe Wien holten schon die Römer das Baumaterial für ihre Siedlung Carnuntum; später wurde mit dem dort gebrochenen Sandstein auch der Wiener Stephansdom gebaut. Mitte der 1990er-Jahre entdeckte man das Areal fürs Musiktheater und hält sich seitdem recht eng ans erweiterte Opern-ABC: «Aida» und «Carmen» kamen bereits mehrmals,...

Im Liebesschloss

Würde man diese Oper spielen, hätte sie nicht ein gewisser Franz Liszt komponiert? Unwahrscheinlich. Obwohl «Don Sanche» durchaus Meriten hat. Das Werk wurde bislang dreimal inszeniert, zuletzt 1986 in Bayreuth zum 100. Todestag des Komponisten. Nun war «Don Sanche» anlässlich seines 200. Geburtstags, nach einer ersten Aufführung im ungarischen Miskolc, in der...

TV-Klassiktipps

ARTE
1./7./13./19.9. – 6.00 Uhr
Beethoven: Hammerklaviersonate.
Verbier Festival 2008. Jean-Frédéric Neuburger.

2./8.9. – 6.00 Uhr
Annette Dasch und die Gretchenfrage.
Konzert mit ausgewählten Arien aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz. Münchner Rundfunkorchester, Marc Piollet.

4.9. – 6.00 Uhr
19.9. – 5.00 Uhr
Die nächste Generation.
Film von Mark Kidel über Alfred...