Verführer unter sich
Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das Orchester einsetzt, kommt Elsa herbei und löst den Jungen ab. Einen Spielzeugritter hat sie dabei, damit das Publikum über ihre Wünsche nicht im Unklaren bleibt.
Ihre Widersacherin Ortrud gönnt sich derweil eine Zigarette, ganz Femme fatale.
Als der Schwan an der vom Komponisten vorgesehenen Stelle erscheint, ist von Lohengrin weit und breit nichts zu sehen. Vier Soldaten in Kampfuniform tragen einen Zwei-Meter-Vogel, auf dem zur Verdeutlichung «Schwan» geschrieben steht, auf die Bühne, wo er den ganzen Abend über stehen wird. Einige Zeit darauf tritt auch Lohengrin (Richard Crawley) auf, mit dem es der Regisseur gar nicht gut meint. Statt eines strahlenden Helden muss er den manipulativen Volksverführer mimen, der zunächst mit der Gestik eines Hanussen alle Anwesenden zu hypnotisieren trachtet und dann bedingungslose ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Harald Steiner
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