Bräutigam am Abgrund
Nein, nicht auf die Autobahn. Wir entscheiden uns wieder für die Bundesstraße, gondeln lieber wieder mit 60 durch den Schwarzwald, der einen auf die Unaufgeregtheit, die Beschaulichkeit von «Rossini in Wildbad» einstimmt. Dort ist alles beim Alten. Rauschte nicht die Enz mitten durch Park und Ort, herrschte am helllichten Mittag fast schon gespenstische Friedhofsstille. Der extreme Gegensatz zu Salzburgs Getreidegasse: so gut wie kein Mensch unterwegs. Käme man nicht des Festivals wegen – man bemerkte es kaum.
Nichts vom Glamour, von der Selbstinszenierung der Schickeria, vom Promi-Auflauf so mancher Großfestspiele, sondern Konzentration auf die Sache. Und die Sache ist Gioachino Rossini, ist auch seine Zeit, sein Umfeld. Darüber kann man im Nordschwarzwald, wenn man nachher beim Wein etwas indiskret die Ohren spitzt, so manches kenntnisreiche Gespräch aufschnappen.
Die «große» Premiere dieser anderthalb Juliwochen galt der letzten der wichtigen Rossini'schen Musikkomödien, die hier noch fehlte. Intendant Jochen Schönleber nahm sich «Il turco in Italia» vor, die beinahe schlimm verlaufende Geschichte der jungen, kapriziösen Fiorilla (einst eine Callas-Partie), die es, ihres ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Heinz W. Koch
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44, 0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
• Open-Air-Konzert (Bosch): 2., 3., 4.9.
• Kinderkonzert (Halász): 4.9. (Mat.)
• 1. Sinfoniekonzert (Bosch): 11., 12.9.
• Strauß, Die Fledermaus: 25. (P), 28.9.; 1., 5., 9., 12., 21., 23., 29.10.
(Halász, Teilmans, Brendel, Leonhardt)
• Jugendsinfonieorchester: 3.10. (N.)
• Barockkonzert: 3.10.
• 2....
Nicht einmal Verehrer wussten davon, als Julia Varady sich von der Bühne zurückzog – mit einer völlig intakten Stimme. Ende 2003 war das. Im Jahr zuvor hatte sie «Edgar» aufgenommen und konnte als Fidelia klingen wie das junge Mädchen, das sich Puccini vorgestellt hat (siehe OW 9-10/2003). Vierzig Jahre öffentlichen Singens lagen da hinter ihr. Man hört es nicht....
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl...
