Bräutigam am Abgrund
Nein, nicht auf die Autobahn. Wir entscheiden uns wieder für die Bundesstraße, gondeln lieber wieder mit 60 durch den Schwarzwald, der einen auf die Unaufgeregtheit, die Beschaulichkeit von «Rossini in Wildbad» einstimmt. Dort ist alles beim Alten. Rauschte nicht die Enz mitten durch Park und Ort, herrschte am helllichten Mittag fast schon gespenstische Friedhofsstille. Der extreme Gegensatz zu Salzburgs Getreidegasse: so gut wie kein Mensch unterwegs. Käme man nicht des Festivals wegen – man bemerkte es kaum.
Nichts vom Glamour, von der Selbstinszenierung der Schickeria, vom Promi-Auflauf so mancher Großfestspiele, sondern Konzentration auf die Sache. Und die Sache ist Gioachino Rossini, ist auch seine Zeit, sein Umfeld. Darüber kann man im Nordschwarzwald, wenn man nachher beim Wein etwas indiskret die Ohren spitzt, so manches kenntnisreiche Gespräch aufschnappen.
Die «große» Premiere dieser anderthalb Juliwochen galt der letzten der wichtigen Rossini'schen Musikkomödien, die hier noch fehlte. Intendant Jochen Schönleber nahm sich «Il turco in Italia» vor, die beinahe schlimm verlaufende Geschichte der jungen, kapriziösen Fiorilla (einst eine Callas-Partie), die es, ihres ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Heinz W. Koch
Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen. Und dann hatte Kirsten Harms ...
52. Jahrgang Nr. 9/10
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752235
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 12.08. 2011.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...
