Musik als Drama
Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das Festspielhaus Baden-Baden seine Sommerspiele eröffnete, ist solch ein Glücksfall. Und kann auch schon bald auf CD nachgehört werden. Überragendes Können trifft auf Musikalität, Leichtigkeit auf tiefen Ernst.
Das ist zunächst das Verdienst des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der schon bei der vom Mahler Chamber Orchestra vital, aber nicht überhitzt gespielten Ouvertüre zeigt, dass er kein Mann oberflächlicher Effekte ist. Die dynamischen Kontraste krachen nicht aufeinander, sondern werden vermittelt. Die Streicher zu Beginn spielen senza vibrato, ohne dabei scharf zu klingen. Der Kanadier antizipiert alle musikalischen Abläufe. Er modelliert das Detail, lässt die Musik vom Orchester so genau artikulieren, dass sie zur verständlichen Sprache wird – mit Frage- und Ausrufezeichen, mit selbstbewussten Bestätigungen und plötzlicher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Georg Rudiger
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben. Der weltweite Erfolg des...
Aus dem Steinbruch von St. Margarethen nahe Wien holten schon die Römer das Baumaterial für ihre Siedlung Carnuntum; später wurde mit dem dort gebrochenen Sandstein auch der Wiener Stephansdom gebaut. Mitte der 1990er-Jahre entdeckte man das Areal fürs Musiktheater und hält sich seitdem recht eng ans erweiterte Opern-ABC: «Aida» und «Carmen» kamen bereits mehrmals,...
Er muss ein verrückter Vogel gewesen sein, der Kontrabass-Virtuose, Dirigent und Komponist Giovanni Bottesini (1821–1889), der auf seinem Instrument schon in jungen Jahren mit dem Geiger Paganini verglichen wurde und bei seinen Auftritten ein ebensolches Fieber hervorrief wie dieser oder zeitgleich Liszt als Pianist. Unermüdlich reiste er durch die halbe Welt,...
