Verdi: Otello
Verdis «Otello» fasziniert durch den Wechsel von geballter dramatischer Wucht und lyrischen Passagen. Dass das Theater Regensburg zur Spielzeiteröffnung diese Herausforderung bestanden hat, ist in erster Linie der musikalischen Seite zu danken. Das Orchester hatte einen großen Abend. Der Eingangschor kam mit Verve über die Rampe, legte die Richtung fest, in die GMD Raoul Grüneis die Tragödie musikalisch steuern würde.
Kontrapunkte zur Musik lieferte Regisseur Rupert Lummer im Verein mit seinen Ausstattern Hank Irwin Kittel (Bühne) und Peter Tibor Thanner (Kostüme): Das Stück spielt in einem klassizistischen Einheitsraum, Macht- und Schaltzentrale einer Militärregierung. Die Anlandung Otellos wird auf einer imaginierten Leinwand im Zuschauerraum live übertragen, was Militärs und einige Zivilisten «public viewing» verfolgen. Lummer lässt schon hier kaum Emotionen zu, hat sich offensichtlich für eine Trennung von Musik und Darstellung entschieden: Die Gefühle der Protagonisten spielen sich in deren Köpfen ab. Das evoziert zunehmend Distanz – erschwert den Zugang zum Kern des Dramas. Für die Scheinidylle im zweiten Akt steht ein gläsernes Gewächshaus, in dem Desdemona gefangen ist. ...
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